Lahm warnt: respekt im fußball – und in der gesellschaft – schwindet!
Philipp Lahm schlägt Alarm. Der frühere Kapitän der Bayern München sieht nicht nur auf dem Platz, sondern auch im gesellschaftlichen Umfeld eine zunehmende Respektlosigkeit. Im BR24Sport-Interview sprach er offen über die Herausforderungen für den Fußball, die Rolle von Eltern und Trainern und die Bedeutung des Ehrenamts.
Die wurzeln des problems liegen tiefer
Für Lahm beginnt Respekt nicht im Profifußball, sondern bereits auf der Amateur-Ebene. Er betont, dass Vereine eine wichtige Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen und gleichzeitig vor einem raueren Umgangston warnt. „Mit der Ungewissheit, mit Polarisierung – umso wichtiger ist, dass wir gegenseitig Respekt zeigen“, so Lahm. Er beobachtet diesen Trend nicht nur im Sport, sondern auch im gesamten gesellschaftlichen Leben. Beleidigungen und Angriffe auf Bahnmitarbeiter oder Schiedsrichter auf Amateurplätzen sind alarmierende Zeichen.

Eltern und trainer in der pflicht
Lahm sieht eine Schlüsselrolle bei der Wertevermittlung in der Verantwortung von Eltern und Trainern. „In erster Linie kommt es immer noch von zu Hause“, sagt der ehemalige Bayern-Kapitän. Das Verhalten der Eltern am Spielfeldrand hat einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Er selbst, als Trainer einer Jugendmannschaft, greift früh ein, wenn Eltern zu laut werden oder sich zu stark einmischen. „Respekt heißt nicht, dass man nicht diskutieren darf, aber Probleme sollten offen angesprochen werden.“

Das ehrenamt braucht unterstützung
Der Weltmeister von 2014 betont die Bedeutung des Ehrenamts im Fußball. Viele Menschen engagieren sich seit Jahren in Vereinen und halten den Amateurfußball am Laufen. „Ehrenamt gibt einem auch sehr, sehr viel“, sagt Lahm. Umso wichtiger ist es, das Ehrenamt zu unterstützen und zu wertschätzen. Er fordert bessere Vernetzung, Weiterbildungsmöglichkeiten und mehr Anerkennung für die engagierten Helfer. Die Zahl der aktiven ehrenamtlichen Trainer ist rückläufig – eine Entwicklung, die besorgniserregend ist. „Wir müssen schauen, dass wir ein bisschen jünger werden“, so Lahm.
Der frühere Nationalspieler mahnt: Der Sport muss ein Ort sein, an dem Werte wie Respekt, Fairness und Teamgeist gelebt werden. Nur so kann er seine Vorbildfunktion für die junge Generation erfüllen. Der Verlust dieser Werte würde dem Fußball und der Gesellschaft insgesamt schaden.