6:1-Sieg mit bitterem beigeschmack: bayerns verletzungszirkus beginnt
Ein Fußballfest, das zum Albtraum wurde: Der FC Bayern feierte in Bergamo ein Schützenfest, doch am Ende zählten nicht die sechs Tore, sondern drei Verletzte. Alphonso Davies verließ weinend das Feld, Jamal Musiala humpelte, Jonas Urbig wurde weggeräumt – und die Saisonziele schwanken.
Davies bricht zusammen, der kader bricht auf
Die 70. Minute war geschlagen, als Davies sich in die Hocke sinken ließ. Nicht etwa, weil Atalanta plötzlich Dampf machte, sondern weil seine Adduktoren schmerzten. Der Kanadier presste das Trikot vors Gesicht, Tah und Goretzka schirmten ab, Kompany umarmte ihn zweimal. Die Bilder gingen um die Welt: ein 25-Jähriger, der weiß, dass Muskelbündel reißen können wie alte Schnürsenkel. Die medizinische Abteilung sprach von „einem Verdacht auf Zerrung“, doch die Tränen sprachen eine klarere Sprache.
Der Linksverteidiger war gerade erst zur Pause hereingekommen, hatte die Vorarbeit zum 5:0 geliefert – und damit bewiesen, warum Europas Topklubs sein Profil im Scout-Netzwerk markieren. Jetzt steht sein Wechsel zu Real Madrid plötzlich unter Zeitdruck, aber auch Bayerns Plan B: Wer springt ein, wenn der Flügelzug ausfällt? Guerreiro ist noch nicht bei 100 %, Mazraoui bereits verkauft. Die Personalnot wird zum Dominoeffekt.

Musiala und urbig: die nächsten dominosteine
Musiala hatte das 6:0 erzielt, dann fasste er sich an den rechten Knöchel – jene Region, die ihn nach der Klub-WM-Schrecksekunde monatelang verfolgte. Kapitän Kimmich fluchte lautlos in die Kamera: „Wir haben letzte Saison gespürt, was es bedeutet, wenn wir in der heißen Phase Figuren verlieren.“ Die Statistik bestätigt seine Wut: Ohne Musiala verliert Bayerns Offensive 31 % ihrer Dribblingsquote. Die Zahl ist klein, der Effekt riesig.
Zu allem Überfluss riss Krstovic in der Nachspielzeit durch das Bayern-Strafraumgetümmel und rammte Keeper Urbig um. Der 21-Jährige, gerade erst als Notnagel für Neuer und Ulreich hochgezogen, blieb liegen, wurde von zwei Physios gestützt abgeführt. Referee Eskas pfiff ab – nicht wegen des Fouls, sondern weil kein Torwart mehr stand. Urbigs Rippen werden geröntgt, die Angst vor einer Fraktur schwingt mit.

Die rechnung nach dem 6:1
Ja, das Viertelfinale ist so gut wie sicher. Ja, die Tordifferenz könnte am Ende den Gruppensieg bedeuten. Aber der Preis ist hoch: drei Ausfälle, zwei Einsatzzeiten unklar, ein Kader, der sich vor der englischen Woche lichtet. Die Bayern reisen mit 23 Feldspielern nach Leipzig, doch die Bank ist dünn geworden. Kompany muss umdenken, nicht jubeln.
Die Saison ist ein Marathon, kein Sprint. Und gerade hat der Rekordmeister seine ersten drei Läufer verloren.
