Olise tanzt im regen von bergamo und schreibt bayern-geschichte

Michael Olise hat den FC Bayern München mit einem Gala-Auftritt in die Champions-League-Vorschlussrunde geschossen. Im strömenden Regen von Bergamo spielte der Franzose wie im Rausch, schoss zwei Tore, bereitete zwei weitere vor – und sammelte dabei genau die Gelbe Karte, die ihn im Rückspiel schont. Das 6:1 (3:0) bei Atalanta war nicht nur eine Demonstration der Münchner Offensivmacht, sondern auch ein Lehrstück darüber, wie moderner Fußball funktioniert: schnell, kalt, gnadenlos.

Olise spielt mit gelb und gegner

Der 23-Jährige ließ die Italiener von der ersten Minute an alt aussehen. Nach nur neun Minuten netzte er nach einem überlegten Stanisic-Pass zum 1:0 ein. Dann folgte sein Mini-Robben-Move, der inzwischen zur Marke geworden ist: Innensteg, Zug nach innen, Linksschuss – 2:0. Kurz vor der Pause legte er noch Gnabrys 3:0 auf. Die Gelbe Karte in der 89. Minute war kein Versehen, sondern Kalkül. Olise wusste, dass er bei einer weiteren Verwarnung gesperrt wäre – nun darf er im Rückspiel pausieren und ist für das Viertelfinale frisch.

Die Zahlen sprechen für sich: vier Torbeteiligungen in 90 Minuten, 86% Passquote, sieben erfolgreiche Dribblings. „Er hat die Partie im Kopf vollständig kontrolliert“, sagte Coach Vincent Kompany nach Abpfiff. „So etwas sieht man selten.“

Kimmich zieht nach – und muss zuschauen

Kimmich zieht nach – und muss zuschauen

Joshua Kimmich war der andere Regisseur. Er lenkte das Spiel, schob genau dann, wenn es nötig war, und holte sich genau wie Olise seine dritte Gelbe Karte. Damit fehlt er im Rückspiel – ein Verlust, der in diesem Bayern-Team aber auffällt. Denn mit Pavlovic und Laimer stehen zwei Alternativen bereit, die ähnlich temperamentvoll agieren. Der Österreicher Laimer lief 11,3 Kilometer in 45 Minuten und hatte den schnellen Sulemana stets im Griff.

Die einzigen Schattenseiten: Alphonso Davies musste nach 25 Minuten Einsatz unter Tränen vom Feld – erneute Muskelprobleme. Auch Jamal Musiala humpelte in der Schlussphase. „Wir müssen abwarten, wie schlimm es ist“, sagte Kompany. „Aber wir haben Tiefe im Kader.“

Atalanta wirkt von anfang an überfordert

Atalanta wirkt von anfang an überfordert

Die Gastgeber, die Dortmund in der Vorrunde aus dem Stadion geschossen hatten, wirkten wie ein Boxer, der den ersten Hieß nicht kommen sah. Bereits nach 180 Sekunden lag Stanisic im Nachfassen frei – 1:0. Die Mannschaft von Gian Piero Gasperini versuchte, mit Manndeckung zu kontern, doch Bayern nutzte jeden freien Raum. Die Statistik: 18 Torschüsse, 67% Ballbesitz, 91% Passquote im gegnerischen Drittel.

Nicolas Jackson traf nach 66 Minuten zum 4:0, Luis Díaz bereitete das 5:0 vor. Selbst die 78. Minute, als Lookman das 1:5 erzielte, war nur ein Strohfeuer. Der VAR nahm dem Treffer wegen Abseits den Glanz – und Bayern konterte postwendend durch Musiala zum 6:0. Erst in der Nachspielzeit fiel das 1:6 durch De Ketelaere, zu diesem Zeitpunkt war das Spiel längst entschieden.

Real oder city warten – bayern ist bereit

Real oder city warten – bayern ist bereit

Mit dem 6:1 hat Bayern das Viertelfinale so gut wie sicher. Die Auswärtstorregel entfällt, das Rückspiel in München wird zur Formsache. Die möglichen Gegner: Real Madrid oder Manchester City. Beide Klubs haben in dieser Saison ihre Schwächen gezeigt. Olise, Kimmich und Co. haben Signal gesendet: Wer auch immer kommt, trifft auf einen Gegner, der im Rhythmus lebt und im Regen tanzt.

Die Zahlen des Abends: 6 Tore, 18 Schüsse, 91% Passquote – und eine Gelbe Karte, die kluger war als jede Taktik. Olise hat nicht nur Atalanta dekonstruiert, sondern auch die Champions League neu erzählt. Wer ihn jetzt noch unterschätzt, hat das Spiel nicht verstanden.