3:3 Im 100. rheinderby: kessler zögert, kwasniok kämpft – der fc steht am abgrund

Im 100. Rheinderby lieferten sich Köln und Gladbach ein Spektakel, das selbst alte Bundesliga-Haudegen ins Stottern brachte: 3:3, zwei Blitztore, ein Debütant, der in alle drei Gegentore verwickelt war, und ein Sport-Geschäftsführer, der nach dem Schlusspfiff so tat, als wäre ein Punkt gegen den Abstieg ein Trostpreis. Thomas Kessler redete von „Wechselbad der Gefühle“, meinte aber nur: Lukas Kwasniok steht auf Abruf.

Kwasniok kassiert rückendeckung – nur nicht von kessler

Der Coach warf einen 19-Jährigen ins kalte Wasser, weil Tom Krauß sich beim Aufwärmen verletzte. Cenny Neumann stand erstmals von Anfang an, sah bei jedem Gegentor die Baumarktkollektion der FC-Defensive und wurde trotzdem nach vorne gelobt. Kwasniok selbst: „Sie können mir noch so viele Hindernisse in den Weg legen – ich kämpfe um diesen Job.“

Kessler dagegen wich jeder konkreten Frage nach der eigenen Bank aus. „Wir machen uns unsere Gedanken“, sagte er und klang dabei, als hätte er schon die PowerPoint-Präsentation für die Mitgliederversammlung fertig. Die Zahlen sind gnadenlos: sieben Spiele ohne Sieg, Platz 15, 31 Punkte. Die Tabelle lügt nicht, sie schreit.

Die mannschaft glaubt, die führung zögert

Die mannschaft glaubt, die führung zögert

Im Kölner Umfeld kursiert seit Wochen dieselbe Erkenntnis: Die Spieler laufen für Kwasniok, trainieren intensiver als unter Baumgartners letzten Monaten und finden trotzdem nicht zurück in die Erfolgsspur. Die Ursache liegt tiefer. Ein internes Zahlenwerk zeigt: Die FC-Defensive kassierte nach Ballverlusten im Mittelfeld 58 % der Gegentore – Liga-Schmankerl. Gegen Gladbach wiederholte sich das Muster bis zur Farce.

Kwasnioks Antwort: mehr Mannschaftslehrgänge, mehr Video, mehr individualisierte Laufanalyse. Die Frage ist nur, ob er sie noch durchführen darf. Am Montagmorgen sitzt die Geschäftsführung zusammen, dann entscheidet sich, ob der 44-Jährige die Relegation plant oder die Arbeitsagentur.

Derby-fever kurz erklärt: warum ein punkt nicht reicht

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Die Rechnung ist simpel: Bei 1,15 Punkten pro Spiel bleibt der FC rechnerisch unter dem Strich. Das Restprogramm lautet: Leverkusen, Union, Bochum, Dortmund. Kein Gegner unter Platz sechs. Wer jetzt nicht gewinnt, muss im Mai nach Berlin reisen – und dort zittert selbst der alte Hase.

Kessler weiß das, deshalb der Satz: „Wir müssen mal wieder einen Dreier holen.“ Er sagte es, als wäre ein Sieg ein Zufallsprodukt, nicht das Ergebnis konkreter Maßnahmen. Genau diese Halbherzigkeit frustriert die Fans, die Spieler – und vermutlich auch ihn selbst.

Kwasnioks letzter auftritt? „ich bin der richtige“

Kwasnioks letzter auftritt? „ich bin der richtige“

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel wirkte Kwasniok wie ein Mann, der sich schon mit dem Worst-Case beschäftigt. „Du musst erstmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt“, sagte er und schlug dabei mit der flachen Hand auf den Tisch, dass die Mikros wackelten. Es klang nach einem letzten Plädoyer – und nach einer Kampfansage an die eigene Führung.

Die Entscheidung fällt binnen 48 Stunden. Sollte Kwasniok gehen, wäre es die fünfte Trainer-Trennung innerhalb von 30 Monaten. Der FC würde wieder von vorne beginnen, während die Konkurrenten schon den Klassenerhalt planen. Die Uhr tickt, der Ball rollt weiter – und die Begeisterung, von der Kessler in seinen Interviews schwärmt, droht zur Farce zu verkommen.

Ein Punkt im Derby rettet keine Saison. Das weiß jeder im Kölner Keller, nur manche trauen sich nicht, es laut auszusprechen.