Hsv verspielt 2:0 in dortmund – klassenerhalt rückt in weite ferne

Der Traum währte nur 45 Minuten. Dann rissen die Hamburger in Dortmund ihr eigenes Kunstwerk nieder. Ein 2:0 zur Pause verwandelte sich binnen 20 katastrophalen Minuten in eine 2:3-Schlappe. Drei Elfmeter, zwei individuelle Blackouts, null Zugriff aufs Spiel – und plötzlich ist der HSV wieder ganz unten angekommen.

Mikelbrencis liefert die crash-kopie ab

William Mikelbrencis war es, der die Partie zuerst eröffnete. Mit Tempo, mit Drang – mit dem Assist zum 0:1. Dann war es wieder Mikelbrencis, der sie zusammenbrach. Erst ein überhastetes Foul an Maximilian Beier, das den ersten Strafstoß einleitete. Dann ein Einwurf, der wie ein Bumerang zurückkam und prompt zum 2:2 verwandelt wurde. Der 21-jährige Franzose steht seit Wochen für das Dilemma des Aufsteigers: Mut nach vorne, Mangel an Härte hinten. Gegen Köln hatte er dieselbe Achterbahn schon einmal gefahren – nur fehlte damals der Gegner, der solche Geschenke versiebt.

Der BVB versiebte nichts. Nach dem Seitenwechsel schaltete er einen Gang höher, presste den HSV in dessen Hälfte fest. Die Statistik ist gnadenlos: Kein Ballkontakt der Hanseaten im gegnerischen Strafraum nach der Pause, keine eigene Ballbesitzphase länger als neun Sekunden. Warmed Omari, Mikelbrencis und Miro Muheim rutschten nacheinander ins Foulspiel, weil sie den Ball nicht mehr sauber herausbekamen. Die drei Elfmeter sind keine Zufallsserie, sondern das Protokoll einer kompletten Überforderung.

Nur heuer fernandes hielt die bude zusammen

Nur heuer fernandes hielt die bude zusammen

Daniel Heuer Fernandes war der einzige, der sich wehrte. Sieben Paraden, drei davon in Serie gegen Adeyemi und Brandt, verhinderten ein Debakel im zweistelligen Bereich. Nach Abpfiff stand der Torwart vor den Mikrofonen, die Stimme rau vom Schreien, und versuchte, das Unaussprechliche zu ordnen: „Wir wissen, gegen wen wir verloren haben. Und wir wissen, wo wir herkommen.“ Das klingt nach Einsicht, ist aber auch ein Appell an die eigene Mannschaft: Vergesst die Tabelle nicht. Der HSV ist Neunter, nur zwei Punkte vor dem Strich. Die zweite Halbzeit in Dortmund war keine Ausrutscher, sie war eine Blaupause dafür, wie schnell die eigene Existenz kippen kann.

Trainer Sebastian Wolff wechselte nach dem 2:2 komplett die Offensive – doch selbst Robert Glatzel und László Bénes fanden keen Anschluss mehr. Die BVB-Pressingreihe um Emre Can und Julian Ryerson schnürte die Hamburger ein, bis sie nicht mal mehr Standards brauchten. Die Luft war raus, die Köpfe gesenkt. Die Kabine schwieg, nur aus der Ecke hörte man das leise Klackern von Mikelbrencis’ Stutzen, als er die Schienen löste. Ein Bild wie aus der Abstiegssaison 2021/22.

Die Lücke zur Abstiegszone ist klein, die nächsten Gegner kommen. Nach der Länderspielpause warten Heidenheim und Bochum – beides Direktkonkurrenten. Wer in Dortmund eine Halbzeit lang mitspielt und dann kollabiert, verspielt nicht nur Punkte, sondern auch das Selbstvertrauen, das ein Aufsteiger braucht. Heuer Fernandes sagt, man werde „das richtig einordnen“. Die bittere Wahrheit: Die Ordner stehen schon bereit, am Ende der Saison den Klassenerhalt abzuhaken. Und der HSV liefert ihnen gerade die Argumente.