27 Meningitis-fälle in kent: bassetti warnt vor „explosivem ausbruch“
Kent brennt. 27 Fälle, zwei Tote, ein 18-jähriges Mädchen, ein 21-jähriger Mann – die Meningitis grassiert in Südost-London wie seit Jahren nicht mehr. Die UK Health Security Agency bestätigte 15 Infektionen, weitere 12 stehen unter Mikroskop. Die Angst: Die Bakterien überwinden den Ärmelkanal.
„Schneller als jede grippe“
Matteo Bassetti, Chef der Infektiologie am Policlinico San Martino in Genua, schlägt auf Facebook Alarm: „Einer der explosivsten Meningitis-Ausbrüche, die ich je gesehen habe.“ Die Meningokokken schwappen binnen Tagen durch Schulen, Fitnessstudios, Pubs. In Frankreich ist bereits ein Fall registriert – erster Vorbote auf dem Kontinent. Die italienische Grenze ist nur ein Flugticket entfernt.
Die Prophylaxe läuft auf Hochtouren. Hunderte Jugendliche in Kent schlucken Antibiotika, reihen sich für Impfstoffe an. Die Krankenkassen melden Engpässe beim Serotyp-MenACWY-Impfstoff. Die Logistik wird zum Wettlauf gegen die Bakterien.

Impflücken als brandbeschleuniger
Bassetti schießt scharf: „Wir reden wieder über Impfpflicht, weil wir die Kinderimpfungen vernachlässigt haben.“ In Italien liegt die Meningitis-Impfquote bei 78 Prozent – weit unter dem 95-Prozent-Herdenschutz. Jedes fünfte Kind läuft ungeschützt durch die Schulen. Die Lücke wird zum Treibstoff für das Bakterium.
Die Ansteckungskette ist brutale: Speichel, Tröpfchen, gemeinsame Zigarette, ein Glas – ausreichend. Die Inkubationszeit: vier Tage. Danach Fieber, Nackensteife, Hautblutungen. Innerhalb von 24 Stunden kann es zur Sepsis kommen. Die Überlebensrate sinkt um zehn Prozent pro Stunde ohne Antibiotikum.
Der europäische domino-effekt
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC aktivierte das Frühwarnsystem. Krankenhäuser in Brüssel, Amsterdam und Mailand haben Kontaktaufklärungen gestartet. Flugpassagiere der Strecke London-Mailand werden per SMS gewarnt. Die Datenlage: 1,2 Millionen Menschen reisen monatlich zwischen Großbritannien und Italien. Jeder kann Träger sein.
Im Impfzentrum von Rom bilden sich erste Schlangen. Eltern drängeln, Impfstoffe gehen zur Neige. Die Apothekenpreise für MenACWY klettern von 90 auf 150 Euro. Ein Schwarzmarkt bahnt sich an.
Die Bilanz bleibt klar: Ein Virus kennt keine Grenzen, aber ein Impfstoff schon. Wer jetzt wartet, spielt Roulette mit 50.000 Euro Behandlungskosten – und mit dem eigenen Leben.
