20-Jähriger ferrari wagt den nba-sprung – virtus-flop oder mega-coup?
Francesco Ferrari hat nichts zu verlieren. Der 20-Jährige, der vor drei Monaten noch in der italienischen A2 für Cividale auflief, steht plötzlich auf der offiziellen „Early-Entry-Liste“ der NBA. Am 23. Juni wird sein Name in Brooklyn fallen – vorausgesetzt, er zieht seine Bewerbung nicht bis zum 13. Juni zurück.
Von cividale nach bologna – und direkt ins rampenlicht
Die Kurve ist steil. Im Sommer 2024 holt Ferrari mit der italienischen U20 den Europameistertitel, kassiert den MVP-Pokal (26 Punkte im Finale), spielt danach achtzehn Ligaspiele für Virtus Bologna und durfte sich sogar in der EuroLeague warmmachen. Für Scouting-Abteilungen reicht das. „Ich sehe mich eher als europäischer Typ, aber die NBA absagen wäre dumm“, sagte er der Gazzetta. Das klingt nicht nach einem Jungen, der zögert.
Die Zahlen sind bescheiden – 5,9 Punkte, 5,4 Rebounds im Turnier –, doch die Tools stechen heraus: 2,08 m mit 2,18 m Wingspan, laterale Schnelligkeit, softes Händchen bis zur Dreierlinie. In Spielernoten klingt das nach einem modernen Small-Ball-Five oder einer Stretch-Four, die sofort in den Switch-Defenses mitgeht. Für einen Franchisedirector ist das ein Lotterielos in der zweiten Runde: günstig, kontrollierbar, höheres Ceiling als den College-Jahrgängen.

Warum der stichtag 13. juni beides sein kann: rettungsanker oder türöffner
Internationale Spieler dürfen bis zu diesem Freitag ihre Nominierung zurückziehen – ohne Strafe, ohne Agentur-Gezeter. Ferrari aber hat seinen Vertrag mit Virtus bereits auf Eis gelegt. Wer in Brooklyn sitzt, hört das laut: Der Junge will. Bleibt er drin, ist das ein Statement. Zieht er sich zurück, war es ein kostenloser Work-out-Marathon mit 30 NBA-Stores und ein Schwung Inside-Daten, die er so nie bekommen hätte.
Die Mocks platzieren ihn zwischen Pick 25 und 38. Einige Boards lassen ihn komplett rausfallen – die Rede ist von „raw footwork“ und „average vertical pop“. Andere loben seine „instinktiven Help-Rotationen“ und die 42 % vom Corner-Dreier in der kleinen Serie-A-Stichprobe. Für einen Spät-Round-Gamble reicht das.
Parallel deklarierte sich auch Luigi Suigo, Center vom serbischen Mega Mozzart, für den Draft. Die beiden italienischen Pässe könnten im selben Nachtzug landen – ein Novum seit 2011, als Bargnani das letzte Mal ein Azzurri-Trikot in den Top-10 trug.
Ferrari selbst feiert gerade Capodanno in New York – Promo-Event der Gazzetta, Rabattcode inklusive. Während andere 20-Jährige Selfies vor dem Times Square schießen, lässt er sich von Knicks- und Nets-Trainern durchleuchten. Seine Familie bleibt in Bologna, um jeden Tweet zu analysieren. Die Social-Media-Zahlen explodieren, die virtusfelsen-grünen Fans fürchten den Abstieg in der Frontcourt.

Die entscheidung kommt früher als gedacht
Scouts fragen sich nicht, ob Ferrari Talent hat – sie fragen, ob er bereit ist, zwei Jahre G-League zu schlucken. Seine Antwort: „Ich habe College abgelehnt, weil ich mich nicht bereit fühlte. Heute bin ich es.“ Das tönt reif. Und es erklärt, warum Bologna ihn sofort ziehen ließ: Sie wussten, dass sie nur ein halbes Jahr Vorgriff auf einen künftigen NBA-Vertrag haben.
Am 24. Juni sitzen entweder 30 General Manager mit einem Ferrari im Portfolio – oder er fliegt zurück, ein Jahr älter, ein Jahr weiser, mit einem Scouting-Report im Gepäck, den es so in Italien nie gegeben hat. Die NBA hat ihre Türe einen Spalt weit aufgemacht. Ferrari stellt seinen Fuß hindurch. Mehr braucht es nicht, um eine Karriere zu verändern.
