10-Millionen-etat für regionalliga: aue droht der sprung in den abstiegsstrudel

Der Klassenerhalt ist praktisch unmöglich, die Rechnung trotzdem gewagt: FC Erzgebirge Aue kalkuliert für die vierte Liga mit einem Etat von 10 Millionen Euro – mehr Geld als jeder Konkurrent jemals dort reinstecken durfte.

Neun punkte trennen die veilchen vom rettenden ufer

Nach dem 2:4 in Essen blinkt die Abstiegsampel rot. 24 Punkte, nur noch neun Spiele – Statistiker geben Aue eine Überlebenschance von 0,3 Prozent. Die Konsequenz: Präsident Thomas Schlesinger und Vorstand haben intern schon mal den Notfallplan 2026/27 ausgelegt. Kein Sparen bis auf die Knochen, sondern ein Sofort-Wiederaufstiegsprogramm, finanziert mit einem Etat, der selbst manche Zweitligaklubs vor Neid erblassen lässt.

Der Trick: Strukturen sollen bleiben, damit der Abstieg nur ein „Jahresausflug“ wird. Nachwuchsleistungszentrum, Internat, Stadionbrigade – alles unter Dach und Fach. „Wir haben in den vergangenen Jahren Profistrukturen aufgebaut, die wir nicht einfach kappen“, sagt ein Vorstandsmitglied, ohne Namen genannt werden zu wollen. Die Botschaft an Sponsoren: Bleibt dran, dann seid ihr 2027 wieder live im Ersten.

Regionalliga wird zur millionenliga – aue wäre sofort der krösus

Regionalliga wird zur millionenliga – aue wäre sofort der krösus

Ein Vergleich zeigt die Dimension. Spitzenreiter Hallescher FC kommt in der Regionalliga auf 8 Millionen, Zwickau auf 4,1. Selbst der 1. FC Lok Leipzig, heißer Aufstiegskandidat der Vorsaison, hatte maximal 6 Millionen eingeplant. Mit dem Zehn-Millionen-Hammer würde Aue die Marktlücke sofort dominieren – Transferlisten offen, Gehaltsstrukturen oben, Faninteresse garantiert. Kritiker fragen sich allerdings: Lohnt sich das Risiko, sollte der sportliche Wiederaufstieg scheitern?

Der Aufsichtsrat ist laut Schlesinger „mit einbezogen“, das operative Ruder liegt beim Vorstand. Gemeinsam wollen sie bis Sommer 2027 „alle Hebel in Bewegung setzen“. Noch ist nichts beschlossene Sache, denn Sponsorengespräche laufen. Doch die Marschrichtung ist klar: runter, aber nur kurz.

Die Fans reagieren gespalten. Die einen feiern das finanzielle Signal, die anderen fürchten eine neue Schuldenlawine. Schlesinger bleibt cool: „Wir haben eine klare Strategie, keine Kopflosigkeit.“ Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich zwischen Mai und Mai – zwischen dem letzten Spieltag in dieser Saison und dem ersten der nächsten. Der Abstieg droht, der Geldregen ist schon bestellt. In Aue zählt man jetzt auf beides: Punkte und Promille.