Ganna zieht in sanremo die klinge: jetzt reicht’s mit dem zweitplatziert-sein

Filippo Ganna hat genug vom Ehrenplatz. Zweimal stand er auf dem Podest der Classicissima, zweimal blitzte am Ende nur die Frustration. Am Samstag, 21. März, will der 28-Jährige in der Via Roma die Uhr um eine Stunde vorspulen – und die Siegerehrung schon vor dem Zieleinlauf abfeiern.

Warum genau dieses jahr die sterne für ganna stehen

Warum genau dieses jahr die sterne für ganna stehen

Der Italiener lieferte beim Tirreno-Adriatico keinen einfachen Formcheck ab, sondern ein Manifest. Prolog-Sieg, Berganker in der Spitzengruppe, Solo-Jagd auf Jonas Abrahamsen – das alles in sieben Tagen. „Er ist so leicht wie nie“, sagt ein Team-Ingenieur, „und trotzdem die alte Dampframme im Zeitfahren.“ Die Zahlen aus dem Windkanal: 74 Watt weniger Luftwiderstand als 2025 bei gleicher Leistung. Auf 300 km rechnet das rund 90 Sekunden Vorsprung – genug, um auf dem Poggio wegzusehen.

Die Stunde der Wahrheit kommt früher als erwartet. Ganna ließ durchsickern, er prüfe einen Angriff bereits auf der Cipressa, zwölf Kilometer vor dem Ziel. Für einen Zeitfahrer klingt das wie Selbstmord, doch die Logistik stimmt. Ineos fährt mit Rowe, Pidcock, Hayter – alles Motoren, die ein Solo bis nach Sanremo sichern können. „Wenn die Gruppe bei 45 km/h übers Wasser zieht, bleibt dem Poggio nichts als Asche“, sagt Direktor Kurt-Asle Arvesen. Gemeint: Die Kletterer erwachen erst, wenn Ganna schon in Genua liegt.

Die Konkurrez zittert. Mathieu van der Poel nannte Ganna „gefährlichsten Außenseiter“, Tadej Pogačar ließ sich mit der Bemerkung zitieren: „Wenn er vor mir oben ist, fahre ich nicht mehr.“ Das ist kein Kompliment, sondern Einschätzung. Seit 2016 gewann nur zweimal ein Sprinter in Sanremo – sonst entschieden Fluchtgruppen oder Einzelgänger. Die Statistik ist Gannas Verbündeter.

Die letzte Unbekannte heißt Wetter. Bei Südwind wird die Classicissima zur 290 km langen Rampe, bei Regen verwandelt sich die Via Roma in eine Eisbahn. Ganna trainierte im Februar auf dem Poggio bei Nieselregen – mit 48 km/h bergauf. „Er ist kein Kletterer, aber ein Flugzeug“, sagt Arvesen. Die Piloten prüfen die Startbahn, und Ganna hat den Tower bereits übernommen.

Am Samstag schlägt die Stunde des Arbeiters. Keine Show, keine Kamera, nur ein Mann gegen die Uhr – und 200 Konkurrenten, die plötzlich zu spät kommen.