0:3-Hinspiel-desaster: eintracht-frauen wollen in göteborg den k.o. verhindern

Die Luft ist raus, das Stadion am Brentanobad noch immer vernebelt vom Enttäuschungsdunst. Drei Gegentore, null Tore, null Hoffnung? Falsch gedacht. Laura Freigang stemmt sich gegen die Niederlage, als wäre sie ein Verteidiger im Strafraum. „Es ist noch nicht vorbei“, sagt die Kapitänin, und man hört das Knirschen zwischen den Zähnen. Die Europa-Cup-Träume der Eintracht Frankfurt sind angeschlagen, aber noch nicht begraben.

Statistiksieg nützt nichts – nur das tor zählt

Trainer Niko Arnautis schaut auf sein iPad, blättert durch Passwerte, Schussverhältnis, Ballbesitz. Alles in grün, nur die Spalte „Tore“ leuchtet rot. „Wir sind in allen Statistiken vorne. Nur in der nicht, die am Ende entscheidend ist“, sagt er und klingt wie ein Mathematiker, der vergessen hat, dass es nur eine Aufgabe gibt: den Ball über die Linie zu bugsieren. Das 0:3 gegen BK Häcken war ein Lehrstück in klinischer Effizienz, gelehrt von Schwedinnen, die vor dem Tor keine Sekunde zögern.

Die Eintracht dagegen trat an wie ein Klassiker-Auto mit verstelltem Vergaser: viel Dampf, wenig Sprung. Drei Mal trafen sie den Pfosten, zweimal scheiterten sie an der Torhüterin, einmal klärte ein Hintern auf der Linie. „Wir haben alles reingehauen, nur nicht den Ball“, sagt Geraldine Reuteler und fasst die Lage treffender zusammen als jede Analyst-Software.

Rückspiel in göteborg: kleines wunder oder großes ende?

Rückspiel in göteborg: kleines wunder oder großes ende?

Am 2. April, 18.30 Uhr, Bravida Arena, Göteborg. Dort, wo die Schwedischen Nationalspielerinnen normalerweise ihre Gegner in Schnee von der Alm verfrachten, soll nun das deutsche Wunder geschehen. Drei Tore Rückstand, kein Auswärtstor im Gepäck – das klingt nach Befehl zur Anklage. Doch wer die Eintracht-Frauen kennt, weiß: Sie haben schon öfter gegen die Statistik gekickt. Vor zwei Jahren drehten sie in der Gruppenphase ein 0:2 gegen Barcelona noch zu einem 3:2. Die Erinnerung daran ist kein Trost, sondern ein Bauplan.

Freigang wird ihre Sturmriege umbauen, Arnautis wird die Trainingspläne verändern, und Reuteler wird wieder in die Zweikämpfe rasen wie ein Kombi ohne Bremsscheiben. „Wir haben nichts mehr zu verlieren“, sagt Freigang. Das ist kein Spruch, sondern die Befreiung vom Zwang. Wer nichts zu verlieren hat, spielt frei. Und genau das macht Gegner nervös.

Die Karten für Göteborg sind ausverkauft, 6.500 Schweden werden brüllen. Aber 500 Frankfurter werden dabei sein, mit Trommeln und Fahnen, und vielleicht genügt ja schon ein frühes Tor, um die schwedische Selbstgewissheit ins Wanken zu bringen. Die Eintracht braucht ein 3:0 – und dann die 30 Minuten, die jeder Spielerin in die Beine gegraben sind. Elfmeterschießen? Möglich. Aber erst mal zählt nur eins: das erste Tor. Dann das zweite. Dann das dritte. Und vielleicht, nur vielleicht, das vierte.

Die Uhr tickt, die Koffer stehen bereit, und die Spielerinnen wissen: Sie fliegen nicht nach Schweden, um sich zu verabschieden. Sie fliegen, um eine Saison zu retten, die eigentlich schon als gerettet galt. Die Minimalchance ist noch da. Und Minimalchancen sind wie Eckbälle: Irgendwann fällt der Ball rein. Dann steht plötzlich 3:0, und keiner in Göteborg begreift, wie das passieren konnte. Die Eintracht hat schon größere Berge versetzt. Warum also nicht einen, der nur drei Tore hoch ist?