Machulla zerpflückt den bild-sturm: „unsere streits machen uns stärker“

Ein Satz genügt, um die Löwen-Arena kurz zum Beben zu bringen: „Gensheimer raus!“ Darauf folgt ein Schulterzucken von Maik Machulla, dann ein schnelles, fast lautloses Lachen. „Ich bin nur Trainer, keine Trennungskommission“, sagt er und wischt die Bild-Gerüchte mit einer Handbewegung vom Tisch.

„Wir streiten wie profis – und das ist gut so“

Die Story klang spektakulär: Sportchef Uwe Gensheimer und Geschäftsführer Holger Bachert angeblich auf Kriegsfuß, Trainer Machulla zwischen den Fronten. Die Bild-Zeitung malte ein Drama, das angeblich sogar den Rauswurf Gensheimers einleiten könnte. Machulla zieht nun den Stecker aus dieser Realitätsshow. „Das Verhältnis zwischen Uwe und mir ist gut. Punkt.“ Kein Dementi im Aktenstil, sondern ein Bekenntnis zum offenen Streit. „Wir fordern uns gegenseitig heraus, schreien manchmal, verlassen den Raum wütend – und kommen zurück mit einer besseren Lösung.“

Diese Art von „Kultur des konstruktiven Krachs“ habe er schon bei seiner Ankunft in Mannheim installiert. „Ich will Spieler, die mir widersprechen, wenn sie eine bessere Idee haben. Gleiches Recht gilt für meine Chefs.“ Dass dabei Tonlage und Körpersprache mal eskalieren, „ist nicht nur erlaubt, sondern nötig“, sagt Machulla. „Wer Friede, Freude, Eierkuchen will, sollte Schach spielen – keinen Handball.“

49 Jahre alt, 25 jahre liga – und trotzdem nur angestellter

49 Jahre alt, 25 jahre liga – und trotzdem nur angestellter

Das klingt nach Power, doch Machulla zieht sich sofort wieder zurück. „Ich bin Angestellter. Ich trainiere, analysiere, motiviere. Personalentscheidungen treffe ich nicht.“ Damit blockt er jede Nachfrage zu Gensheimers Zukunft ab. Kein Seitenhieb, kein subtiles „man weiß ja nie“. Nur eine klare Grenze. „Mein Job ist es, aus 18 Krachern eine Einheit zu formen, nicht aus drei Führungskräften ein Drama.“

Die Zahlen sprechen für ihn: Seit seinem Amtsantritt steigt die Erfolgsquote der Rhein-Neckar Löwen in Schlüsselspielen um 11 Prozent, die Torquote nach Ballgewinnen um 14. „Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass hitzige Diskussionen uns nicht lahmlegen, sondern scharf machen“, sagt er und verweist auf die Hinrunden-Meisterschaft 2023, als interne Streits über Defensive und Umschaltspiel die Mannschaft „wie Schmirgelpapier“ durch die Liga zogen.

Die Spieler bestätigen das. „Wir wissen: Wer hier nicht streitet, will nicht gewinnen“, sagt Kapitän Andy Schmid. „Macht uns das aus? Nein, das macht uns komplett.“

Am Ende bleibt ein Fakt, der lauter ist als jede Schlagzeile: Die Löwen sind Tabellen-Zweiter, haben die beste Zweikampfquote der Liga – und einen Trainer, der sich nicht in Machtspielen verliert, sondern sie als Triebfeder nutzt. Medienberichte hin oder her: Wenn am nächsten Samstag die Anpfiff-Sirene in der SAP Arena ertönt, steht Machulla an der Linie, Gensheimer auf der Geschäftsstelle-Tribüne und Bachert zwischen beiden. Kein Drama. Ein Arbeitsalltag. „Und wenn wir uns wieder streiten? Dann gewinnen wir danach halt mit zwei Toren mehr.“