Spelle-venhaus plant den durchbruch: derby-pleit und trotzdem liga-wahnsinn
3:3 in Biene, 3:1-Führung verspielt, 40 Minuten Überzahl verschenkt – der SC Spelle-Venhaus schlägt sich trotzdem nicht kaputt. Die Oberliga-Mannschaft von Trainer Henry Hupe klebt weiter an den Aufstiegsrängen, obwohl der erste Sieg im neuen Jahr auf sich warten lässt. Das ist kein Widerspruch, das ist einfach Spelle-Logik.
Hupe und golkowski zimmern an der regionalliga-fantasterei
Der 28-jährige Hupe, jüngster Coach der Liga, bastelt mit Akribie an einer Truppe, die lieber Fußball spielt als Marktwirtschaft. Er schöpft aus dem eigenen Nachwuchs, lässt Felix Golkowski das Mittelfeld diktieren und vertraut auf eine U-19-Pipeline, die bereits fünf Talente in die Startelf pumpt. Ergebnis: eine Serie von sieben Partien ohne Pleite, darunter ein 6:2 gegen Spitzenreiter Heeslingen, der die Landkarte kurzzeitig neu zeichnete.
Die Sommervorbereitung war ein Desaster – fast alle Testspiele verloren, Urlauber und Krankschimmer löcherten den Kader. „Dann kam Oktober“, sagt Sportchef Markus Schütte, „und plötzlich funktionierte das Kollektiv.“ Die Wende war kein Zufall, sondern die Folge von Detailsarbeit: Standards trainiert, Laufwege vermessen, Nebenmann-Kommunikation eingeschliffen. Hupe nennt das „Connection entwickeln“. Sein Kapitän nennt es schlicht: „Wir haben enorm viel Qualität.“
Die Qualität kommt nicht vom Geld. Spelle zahlt maximal Minijob-Niveau, konkurriert mit Regionalliga-Absteigern, die höhere Honorare locken. Trotzdem stehen schon vier Neuzugänge für 2026/27 fest – drei davon folgen Golkowski vom SV Meppen. Früh verpflichten, länger planen, enger verzahnen lautet das Credo von Schütte und Co.-Sportchef Tobias Harink, der einst Hupes Vorgänger war und nun mit ihm an derselben Schaltzentrale sitzt.

Regionalliga? erst gespräche, dann lizenz
Die letzte Regionalliga-Saison endete mit zwei Siegen und minus 67 Toren. Die Erinnerung nagt. Nach den Partien gegen Verden und Wetschen wird geprüft, ob der Verein erneut einen Lizenzantrag stellt. Voraussetzung: „Alle müssen mitziehen“, sagt Schütte. Spricht: keine Einzelschicksale, keine Halbgas-Tour, sondern ein Komplett-Commitment. Die Mannschaft ist jung genug, um sich das leisten zu können – und erfahren genug, um zu wissen, was sie riskiert.
Golkowski, gelbgesperrt im Derby, schließt die Tür zur Regionalliga nicht. „Wenn wir wieder eine Serie starten, wer weiß.“ Die Wette gilt: Spelle wird früh dran sein. Und wenn der nächste Gegner erst mal 3:1 zurückliegt, wird er spüren, dass diese Truppe nicht mehr von gestern ist.
