Spaniens höchstgericht stoppt skizirkus navacerrada: pisten dürfen nicht mehr rollen

Der Supreme Court in Madrid spricht das endgültige Urteil: Die Skistation Navacerrada muss dichtmachen. Kein weiteres Kunstschnee-Gerät, keine neuen Tickets, keine Lobby-Tricks mehr. Die Richter bestätigen die Auflösung des Pachtvertrags – und werfen der Region Kastilien-León vor, zwei Jahre lang illegal auf Staatsgebirge geschäftet zu haben.

Die zahlen, die die pistenchefs verschweigen

Die zahlen, die die pistenchefs verschweigen

Seit 1970 ist die Durchschnittstemperatur auf dem Pass um fast zwei Grad gestiegen. Der Schnee ist um ein Viertel geschrumpft. Dennoch verbrauchte die Anlage in den letzten Wintern 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser für Beschneiung – genug, um 8.000 Haushalte zu versorgen. Dazu 3.800 MWh Strom pro Saison, ein CO₂-Fußabdruck, der der von 1.400 Autos entspricht. Und das alles auf 139 Hektar Nationalpark-Boden, der eigentlich unter strengem Artenschutz steht.

Die Umweltschützer von Ecologistas en Acción reichen Klage ein. Sie argumentieren: Die Konzession lief 2021 ab, seitdem wurde ohne Vertrag und ohne Gebühr gearbeitet – ein Freifahrtschein für die Betreiber. Das Oberste Gericht der Region stimmte ihnen im Januar 2024 zu, doch die Regierung zögerte, die Räumungsanordnung zu vollstrecken. Nun legt der Supreme Court nach: Die Pistengeräte müssen weg, die Böden saniert, die Straßen zurückgebaut werden.

Die Gegenseite kontert mit Arbeitsplätzen: 180 Saisonkräfte, 12 Millionen Euro Jahresumsatz. Doch der Streit verstellt den Blick auf die Realität. In den letzten fünf Jahren flossen 4,3 Millionen Euro öffentliche Subventionen in die Anlage – Geld, das laut Court of Auditors „keine nachhaltige Rendite“ erbrachte. Währenddessen verlor das Naturschutzgebiet Guadarrama 37 Prozent seiner Pflanzenarten, darauf deuten die jüngsten Monitoring-Berichte hin.

Die Madrilenische Autonome Regierung plant trotzdem einen Neustart auf der anderen Hangseite. Größeres Areal, neue Beschneiungsanlagen, 22 Millionen Investition. Doch der Januar 2025 war der trockenste seit Wetteraufzeichnung; Schnee fiel nur an acht Tagen. Umweltministerin Teresa Ribera kommentiert kühl: „Wir subventionieren keine Schneewüsten mehr.“

Die Entscheidung ist politisch brisant. Kastilien-León steht vor Regionalwahlen, die konservative Partei PP hält an der Pistennostalgie fest. Doch das Gericht lässt keine Spielräume: Bis Ende 2025 müssen Liftmasten, Pumpstationen und Parkplätze verschwunden sein. Die Bergwacht erhält einen Zuschlag von 1,8 Millionen Euro für Renaturierung – ein Betrag, der laut Umweltbund „nicht einmal die Hälfte der entstandenen Schäden“ deckt.

Ein letztes Detail bleibt im Raum: Die Skistation Madrid-SnowZone, nur 60 Kilometer entfernt, verzeichnet Rekordzahren – 650.000 Besucher, plus 18 %. Die Gäste wandern nicht weg, sie wechseln nur die Seite. Die Berge von Navacerrada bekommen ihre Ruhe, der Schnee darf endlich wieder schmelzen, ohne sofort nachgesprüht zu werden.