Soldat mit italienischer flagge filmt geheimes bosnien-training – eufor-spionageskandal entfacht
Ein Mann in Militärparka und Shorts, die italische Flagge am Schulterpatch, steht auf bosnischem Trainingsgelände und filmt heimlich jeden Pass, jede taktische Übung. Klingt wie Drehbuch für einen Agententhriller – ist aber passiert, 24 Stunden vor dem WM-Playoff Bosnien gegen Italien.

So lief die unglaubliche aktion ab
Der Stützpunkt Butmir bei Sarajevo gilt als offene Anlage. Presse darf die ersten 15 Minuten filmen, danach schließen die Verantwortlichen die Tore. Doch als die Journalisten draußen sind, huscht ein Soldat der EUFOR-Mission – italische Nationalität – durch eine Seiteneinfahrt, zückt das Smartphone, zoomt heran. Erst Sicherheitsleute der Bosnischen Fußballföderation bemerken den Eindringling und eskortieren ihn vom Platz. Endin Causevic, Reporter von „SportSport“, bestätigt dem spanischen Branchenprimus MARCA: „Es ist völlig echt.“
Der Verband reagiert sofort: offizielle Beschwerde an EUFOR, Forderung nach Aufklärung. Denn der Vorfall trifft eine Mannschaft, die ihre Grenzen kennt. Im Gegensatz zu Top-Nationen verzichtet Bosnien auf abgedunkelte Trainingszonen, Zaunplane oder Drohnenabwehr. Das wird sich ändern. „Wir bauen jetzt mobile Sichtschutzwände, zusätzliche Kameras und Funkstörgeräte“, sagt ein Verbandsinsider.
Rom dementiert jede systematische Spionage, spricht von „privater Dummheit“. Doch die Bilder sind bereits in Umlauf. Analysten der Squadra Azzurra könnten aus dem Material herauslesen, wie Sergej Barbarez seine offensive Dreierreihe um Edin Dzeko positioniert – entscheidend für Zenica, wo Bosnien wegen der Auswärtstor-Regel eine Niederlage vermeiden muss.
Die FIFA-Kontrollkommission prüft, ob Italien mit einem Geisterspiel oder Punktabzug rechnen muss. Historisch: Erstmals wird ein EUFOR-Soldat des Spionageverdachts überführt, statt nur Straßensperren zu sichern. Die politische Dimension ist unverkennbar. 26 Jahre nach Kriegsende steht ein europäischer Militärhelfer im Verdacht, einen Gastgeber zu schwächen – mit dem Handy.
Für Bosnien ist das Spiel ohnehin mehr als Fußball: 70 Kilometer nordöstlich von Sarajevo wartet ein Stadion, das nur halb gefüllt sein darf, weil Hooligans-Listen drohen. Jetzt auch noch dieser Fauxpas. Kapitän Dzeko sagt nach dem Training nur: „Wir konzentrieren uns auf den Ball, nicht auf die Geräte, die auf uns gerichtet sind.“
Ob die Aufnahmen tatsächlich die Startelf verraten, bleibt offen. Fakt ist: Ein einzelnes Video kann nichts über die geballte Willenskraft einer Nation aussagen, die sich seit Jahren gegen alle Querelen durchsetzt. Wenn am Sonntag Abpfiff ist, zählen Tore, nicht Pixel. Und Bosnien hat schon häufiger bewiesen, dass es auch mit offenem Visier gewinnt.
