Snooker-wm: ist wirklich alles offen?

Sheffield bebt! Die Snooker-Weltmeisterschaft steht vor der Tür, und wie jedes Jahr raunt man von einem besonders offenen Turnier. Rolf Kalb, Eurosport-Experte durch und durch, nimmt diese Floskel kritisch auseinander. Und er hat Recht: Die jährliche Behauptung ist eine Ritualhandlung, die wenig aussagekräftig ist.

Die illusion der vorhersagbarkeit

Jedes WM-Turnier ist, rein theoretisch, offen. Wer könnte das bestreiten? Schließlich dauert der Marathon im Crucible Theatre 17 Tage, ein Zeitraum, in dem so viel schiefgehen kann. 71 Frames entscheiden über Sieg oder Niederlage – ein einziger, schlechter Tag kann den Traum vom Titel platzen lassen. Die Distanz ist enorm, die psychische Belastung immens. Das ist Snooker auf höchstem Niveau, wo unberechenbare Momente zum Alltag gehören.

Aber die Konstanz über diesen Zeitraum ist eben das, was wenige leisten. Die letzten drei Weltmeister – Luca Brecel, Kyren Wilson und Zhao Xintong – waren vor ihren Triumphen alles andere als die klaren Favoriten. Das zeigt, dass jeder Teilnehmer, selbst ein Qualifikant wie Zhao, eine realistische Chance hat. Die Frage ist jedoch: Was bedeutet diese Offenheit wirklich?

Zhao xintong: kann er den crucible-fluch brechen?

Zhao xintong: kann er den crucible-fluch brechen?

Zhao Xintong, der amtierende Weltmeister, ist ein Paradebeispiel. Er besitzt zweifellos das Talent, den Titel zu verteidigen, wie seine jüngsten Erfolge bei den Players Series eindrucksvoll bewiesen haben. Seine Freude am Spiel ist zurück, seine Form stabil. Doch der Crucible Theatre ist ein Ort, der Titelverteidiger oft ins Schwitzen bringt. Brecel und Wilson mussten in den vergangenen Jahren in der ersten Runde die Segel streichen – eine Erfahrung, die man sich nicht abtrainieren kann. Die Erwartungen, der Druck, die Geschichte – all das lastet schwer auf den Schultern des Titelträgers.

Ronnie O’Sullivan, der siebenmalige Weltmeister, ist natürlich immer ein ernstzunehmender Kandidat. Sein Ehrgeiz, als alleiniger Rekordchampion in die Geschichte einzugehen, ist unverkennbar. Und seine Leistungen beim World Open zeigten, dass er wieder zu alter Stärke gefunden hat. Bleibt die Frage: Besitzt er die nötige Konstanz über die gesamten 17 Tage? Seine spärlichen Auftritte in dieser Saison lassen Zweifel aufkommen. Und das, geliebte Snooker-Fans, ist etwas, das niemand – nicht einmal er selbst – mit Sicherheit vorhersagen kann.

Die WM-Endrunde verspricht Spannung pur, vom 18. April bis zum 4. Mai. Eurosport wird jedes Spiel im linearen TV und über HBO Max übertragen. Verpassen Sie keinen einzigen Ball!