Snooker-wm bleibt bis 2045 im crucible – sheffield gewinnt

Das Crucible Theatre in Sheffield wird die Snooker-Weltmeisterschaft bis mindestens 2045 beherbergen – mit Option auf weitere fünf Jahre. Die Entscheidung fiel am Dienstag, und wer die vergangenen Monate verfolgt hat, weiß, wie nah es daran war, ganz anders auszugehen. Mittlerer Osten, China, das große Geld: All das war real. Und all das ist nun vom Tisch.

Wie sheffield den kampf gegen das große geld gewann

Rolf Kalb, langjähriger Eurosport-Kommentator und Stimme des deutschen Snookers, bringt es auf den Punkt: Tradition hat Kommerz geschlagen. Aber so romantisch, wie das klingt, war der Prozess nicht. Interessenten aus dem Mittleren Osten und China scharrten ernsthaft mit den Hufen. Ein Umzug hätte deutlich höhere Einnahmen und ein massiv gesteigertes Preisgeld bedeutet. Für manche Spieler war das kein abstraktes Versprechen, sondern eine handfeste wirtschaftliche Perspektive.

Doch die andere Seite des Arguments war stärker. Snooker ohne Crucible wäre wie Wimbledon ohne Rasen – technisch möglich, spirituell leer. Barry Hearn, Matchroom-Präsident und einer der mächtigsten Männer im Snooker, räumte öffentlich ein, dass bei dieser Entscheidung Gefühle mitgespielt haben. Ausgerechnet er. Der Mann, der Snooker zur globalen Vermarktungsmaschine gemacht hat, bekennt sich zur Emotion. Sein Durchbruch als Promoter fiel mit dem ersten WM-Titel von Steve Davis im Jahr 1981 zusammen – im Crucible, natürlich.

45 Millionen pfund: sheffield zahlt seinen preis

45 Millionen pfund: sheffield zahlt seinen preis

Den Zuschlag gab es nicht umsonst. Bestandteil des neuen Vertrags ist eine umfassende Modernisierung des Crucible Theatre, die nach der WM 2028 beginnen soll. Geplante Kosten: 45 Millionen Pfund. Davon tragen die öffentliche Hand 35 Millionen, der Rest kommt von privaten Investoren. Die Zuschauerkapazität soll von derzeit 980 auf rund 1.500 Plätze wachsen.

Die Bauzeit ist auf 18 Monate veranschlagt. Das bedeutet: Für die WM 2029, möglicherweise auch 2030, muss ein Ausweichort her. Kalb schlägt augenzwinkernd das Berliner Tempodrom vor. Es wird nicht dazu kommen.

Premierminister starmer mischt sich ein – und das sagt alles

Was den Stellenwert dieser Entscheidung unterstreicht: Keir Starmer persönlich begrüßte die Einigung. Die britische Regierung war offenbar aktiv daran beteiligt, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Ein Premierminister, der sich für den Verbleib eines Snooker-Turniers einsetzt. In Deutschland undenkbar – Bundeskanzler Friedrich Merz wird sich schwerlich für das German Masters im Tempodrom stark machen.

Die BBC hat ihren Vertrag als Host-Broadcaster bis 2032 verlängert. Das Turnier bleibt damit fest im britischen Fernsehen verankert – und damit in einer Zeitzone, die für das europäische Publikum funktioniert. Eine WM in China hätte die Übertragungszeiten für Großbritannien und Kontinentaleuropa so verschoben, dass der Zuschauermarkt dort faktisch weggebrochen wäre. Eine WM im Mittleren Osten wiederum – der aktuelle Konflikt im Iran zeigt, wie fragil solche Planungen sein können.

Seit 1977 ist das crucible die heimat des snookers

Es war Mike Watterson, der die WM 1977 als Promoter ins Crucible Theatre brachte. Was damals wie ein pragmatischer Schachzug wirkte, wurde zur Gründungslegende eines Sports. Seitdem hat dieses 980-Plätze-Theater mehr dramatische Momente gesehen als die meisten Sportstadien auf der Welt. Ronnie O'Sullivans Centuries. Stephen Hendry. Die langen Nächte im April und Mai, wenn Sheffield für drei Wochen zur Snooker-Hauptstadt wird.

Die WM 2026 läuft vom 18. April bis zum 4. Mai. Eurosport und Max übertragen ausführlich. Ich freue mich darauf – und darauf, dass ich das noch bis 2045 sagen darf.