Hafjell spuckt zwei kugeln aus: braathens patzer, mcgraths tränen und haugan späte rache

Lucas Pinheiro Braathen hatte den Riesenslalom noch im Kreuz, 24 Stunden später klemmte die Slalom-Stange in seinem Herzen. Ein Aufhänger nach fünf Toren im Finale von Hafjell reichte, um die Slalom-Kugel an seinen besten Freund Atle Lie McGrath weiterzureichen – und die norwegische Ski-Dynastie jubelt doppelt.

Mcgrath kassiert kugel nummer eins – direkt aus braathens fehler

Der 24-Jährige aus Bærum fuhr nur auf Platz acht, rechnete aber schon nach dem ersten Lauf durch: 41 Punkte Vorsprung vor dem Brasilianer, ein Aus reicht. Als Braathen kurz nach dem Start abrutschte, war die Rechnung aufgegangen. McGrath sank auf die Knie, dann kam Braathen angerutscht, die beiden fielen sich um den Hals wie nach der Jugend-EM in Hinterstoder vor acht Jahren – nur dass diesmal einer die große Kristallkugel verlor und der andere seine erste gewann.

Timon Haugan sah das Drama vom Start-Haus aus, dann machte er sich selbst zur Hauptfigur. Der Lokalmatador jagte Loic Meillard im Zielhang noch um 44 Hundertstel nieder und feierte seinen sechsten Weltcup-Sieg – den ersten seit Zagreb 2022. «Ich wollte diesen Tagessieg für die Heimkulisse, nicht für die Kugel», sagte er hinterher und klang, als hätte er gerade erfahren, dass man seine Norweger-Kollegen eh nicht mehr einholen kann.

Shiffrin schummelt sich an emma aicher vorbei

Shiffrin schummelt sich an emma aicher vorbei

Während die Männer sich die Kugeln gegenseitig zuwarfen, erledigte Mikaela Shiffrin die Hausaufgabe in der Damen-Wertung gleich nebenan. Ein behutsamer erster Lauf, Platz 17, reichte, weil Julia Scheib die Disziplinen-Kugel schon gesichert hatte und Emma Aicher im zweiten Durchgang einen Patzer einbaute. Am Ende landete die Deutsche nur auf Rang zwölf – Shiffrin sicherte sich die große Kugel zum sechsten Mal und lächelt jetzt genauso müde wie souverän.

Valérie Grenier nahm sich davon nichts: Die Kanadierin raste zum dritten Weltcup-Sieg, bevor die Saison abhakt, was sie zuvor schon in Killington und Tremblant bewies. Für Eduard Hallberg war das Podest in Hafjell indes ein Trostpreis: Platz drei, nur 1,03 Sekunden hinter Haugan – der dritte Podiumsplatz seiner Karriere, alle in Slaloms, alle in diesem Winter.

Die bilanz: norwegen gewinnt die köpfe, brasilien das herz

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Am Ende stehen zwei Kristallkugeln in norwegischen Händen, eine in amerikanischen und eine, die niemand mehr anfassen darf, weil sie zwischen zwei Freunden liegt. Braathen fliegt nach Hause mit dem Gewissen, dass er im Riesenslalom alles richtig gemacht hat – und im Slalom nur einen einzigen Fehler, aber den zur falschen Zeit. McGrath fliegt heim mit seiner ersten Kugel und dem Wissen, dass Freundschaft im Weltcup manchmal härter ist als Eis.

Hafjell ist abgeschaltet, die Saison zu. Die Zahlen: 12 Norwegen-Siege, 6 Kristallkugeln für Skandinavier, 1 Brasilianer, der fast zwei gewinnen wollte. Und eine Träne, die in der Loipe noch länger liegt als die Zeit, die Haugan auf Meillard gutmachte.