Skiverband schrumpft: schweizer speed-damen starten mit halber kraft ins lillehammer-finale
Elf Plätze waren gestern, sechs sind heute. Die Schweizer Speed-Damen reisen mit einem Minimal-Kader ans Weltcup-Finale nach Lillehammer – und das sagt mehr über den Zustand des Teams als jede Pressemitteilung.
Corinne suter und malorie blanc tragen die fahne
Nur sie kennen das Finale-Feeling von vor zwölf Monaten. Die anderen vier, die sich für die Abfahrt qualifiziert haben, stehen vor einem Debüt, das niemand so gewollt hätte. Janine Schmitt, 24. der Disziplinenwertung, wird urplötzlich zur Hoffnungsträgerin. Jasmine Flury, als 25. gerade noch durchgerutscht, kann ihr Comeback mit einem exklusiven Start untermauern. Doch der goldene Überhang der Vorjahres-Quartette Lara Gut-Behrami, Michelle Gisin & Co. fehlt – verletzt, verpasst, weg.
Im Super-G wird die Liste noch kürzer: nur Blanc und Suter haben die 500-Punkte-Hürde oder die Top-25-Platzierung erreicht. Jasmina Suter, Joana Hählen und Stefanie Grob blieben unter der Marke, die Sun-Vision-Euphorie verpuffte im kalten Wind von Idaho. Dort wollte Grob als Junioren-Weltmeisterin eigentlich zuschlagen, doch das Finale in Sun Valley wurde abgesagt – ein Schicksal, das ironischerweise auch die Schweizer Chancen reduzierte.

Ein verband, zwei realitäten
Vor einem Jahr noch redete Swiss-Ski von “Breite und Tiefe”. Jetzt sprechen Zahlen: minus fünf Startplätze in der Abfahrt, minus drei im Super-G. Die sportliche Leitung nennt das “Phase der Umbruchs”. Die Athletinnen nennen es “Saison der Verletzungen”. Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Operationstisch und Punktehügel.
Die übrigen Teams nutzen die Lücke. Österreich, Italien, sogar Deutschland haben mehr Frauen am Start – und damit mehr Titelchancen. Denn wer nicht fährt, kann nicht gewinnen. Die kleine Kristallkugel im Super-G ging zuletzt an Gut-Behrami, doch ohne sie im Rennen rückt die nächste Nullnummer in den Fokus: eine Schweizer Saison ohne Speed-Kristall seit 2016.
Am 15. März geht’s los mit der Abfahrt in Lillehammer. Die Schweiz schickt vier Frauen ins Zielbandduell, zwei ins Super-G-Gerenne. Die Medaillenhoffnung trägt vor allem ein Name: Suter. Der Rest heißt “Überraschung gesucht”. Und wenn sich die Zeiten von Schmitt oder Flury nicht reichen, bleibt nur ein Trostpflaster: sie waren dabei, als der Speed-Kader schrumpfte – und vielleicht auch, als er wieder wuchs.
