Hsg wetzlar stürzt nach 28 jahren: das drama um den abstieg
28 Jahre Bundesliga, drei Siege, ein Drama. Die HSG Wetzlar steht mit dem Rücken zur Wand, und das Kellerduell beim TSV Minden wird zur letzten Rettungsweste.
Derby-pleite wie ein vorbote
32:38 gegen MT Melsungen – die Zahlen lügen nicht. Bereits zur Pause war die Partie gelaufen, die HSG wirkte wie ein Verein, der sich selbst nicht mehr glaubt. „Wir müssen zwingend aggressiver werden“, donnerte Sportdirektor Michael Allendorf in die Kabine, doch seine Spieler schwiegen. Runar Sigtryggsson, der fünfte Coach seit 2021, schaute nur noch resigniert drein. Die Isländer-Flamme, die einst für neue Taktik und frischen Wind stand, droht zur Sturm laterne zu werden.
Verletzungspech? Kaderlöcher? Beides trifft zu. Doch wer die letzten Spiele gesehen hat, spürt: Die Mannschaft ist nicht nur unglücklich, sie ist schlicht nicht bundesligatauglich. Tempo, Wurfquote, Abwehrstruktur – alles wirkt eine Sekunde zu langsam. Die Gegner riechen die Blutung, drehen auf, und die HSG folgt dem Rhythmus des Abstiegs.

Minden oder nichts
Am Samstag, 19 Uhr, steht das Endspiel vor dem Endspiel an. Vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, zehn Partien Restprogramm – die Mathematik ist denkbar einfach: Verliert Wetzlar in Minden, liegt der Rückstand bei sechs oder sieben Zählern, und selbst Optimisten schalten auf stumm. Gewinnt die HSG, lebt die Hoffnung, zumindest bis zur nächsten Woche.
Doch die Frage bleibt: Wer schlägt sich durch, wenn der Glaube fehlt? Gegen Melsungen fehlte nicht nur der Kampfgeist, sondern die berüchtigte Wetzlarer Handball-Leidenschaft, die einst die Halle am Kalsmunt zum Kochen brachte. 3.500 Fans schrien sich heiser – vergeblich. Die Spieler schlichen anschließend wie Schatten in die Kabine, der Blick schon auf den Abstieg gerichtet.

Historie droht zu enden
1998 war Gerhard Schröder Bundeskanzler, die Lewinsky-Affäre erschütterte die USA, und Wetzlar spielte zweite Liga. Seitdem wurde die HSG zur Institution, zur Dauerbrennerin, zum Symbol für Provinzhandball mit Extraklasse. Diese Ära kann in 80 Minuten in Minden vorbei sein. Der Verein steht vor dem ersten Abstieg seiner Geschichte – und vor der größten sportlichen Zäsur seit der Gründung.
Die Uhr tickt. Die Halle wird wieder voll sein, die Trommeln werden drohen. Doch wenn die Mannschaft nicht endlich die Handbremse löst, wird aus dem Taumeln ein freier Fall. 28 Jahre Bundesliga – bald vielleicht nur noch eine Erinnerung, die in der 2. Liga verblasst.
