Sinner zerreißt zverevs traum – miami-sieger jagt historisches sunshine-double

Seine siebte Niederlage in Serie gegen Jannik Sinner, die längste Masters-Final-Pause seit 2016, ein verlorener Tiebreak beim Stand von 4:5 – für Alexander Zverev endete die Miami-Nacht mit dem Gefühl, gegen eine Wand zu laufen, die längst Beton statt Kalkstein ist.

Ein break reicht – und das war’s

74 Minuten dauerte der erste Satz, doch die Entscheidung fiel nach gerade einmal 18 Ballwechseln. Beim Stand von 1:2 schlug Sinner eine Vorhand-Return-Linie, die so flach war wie ein Teppichmesser – Break. Mehr brauchte der Italiener nicht. Zverevs Aufschlag-Quote stieg danach auf 73 %, doch ohne Druck auf Return blieb das Zählen der Punkte eine akademische Übung. 6:3 ging an Sinner – und prompt roch der 22-Jährige nach dem „Sunshine Double“.

Im zweiten Durchgang wechselte Zverev die Taktik: mehr Körbe, früher Aufschlag-Vorhand-Inside-In. Er zwang Sinner erstmals zu drei Netz-Vorstößen – alle drei endeten im Fehler des Weltranglisten-Zweiten. Die Folge: 5:5, Tiebreak. Dort aber wiederholte sich das alte Muster: Sinner schlug eine Aufschlag-Return-Longline, Zverev half mit einem Doppelfehler nach. 4:5, Minibreak, 4:7 – aus.

Die zahlen, die wehtun

Die zahlen, die wehtun

Zverev holte 46 % der Punkte nach seinem zweiten Aufschlag, Sinner 62 %. Beim entscheidenden Return auf 4:5 im Tiebreak hatte der Deutsche eine Vorhand-Longline gelegt – doch der Ball landete 2 cm im Aus. „Zwei Zentimeter“, sagte Zverev später mit schiefem Grinsen, „und vielleicht wäre alles anders gewesen.“ Doch gerade diese Winzigkeiten entscheiden Serien, und die steht nun bei 0:7.

Die letzte Zverev-Masters-Finals-Teilnahme datiert auf 2016 – damals gewann er Rom gegen Novak Djokovic. Seitdem ging er 14 Mal im Halbfinale leer, dreimal verlor er zwei Matchpunkte. Die Trophäen-Anzeige bleibt bei 19 – und bei 25 will er unbedingt ankommen. „Ich spiele gut genug, um zu gewinnen“, sagt er, „aber gut genug reicht offenbar nicht mehr.“

Sinner jagt nun geschichte

Sinner jagt nun geschichte

Mit 32 gewonnenen Sätzen in Folge bei Masters-Turnieren übertrifft Sinner nun sogar Rafael Nadals Bestmarke von 2013. Am Sonntag trifft er auf Jiri Lehecka, der Arthur Fils in 75 Minuten wegputzte. Sollte er gewinnen, wäre er nach Roger Federer (2017) erst der zweite Spieler dieser Dekade, der Indian Wells und Miami hintereinander holt. „Ich will einfach nur spielen“, sagt er – und klingt dabei wie jemand, der weiß, dass die Geschichte auf ihn wartet.

Für Zverev bleibt die Erkenntnis, dass sich an der Spitze des Tennis die Maßstäbe verschoben haben. Früher reichte ein 70 %-Aufschlag, um Spiele zu drehen; heute braucht es den perfekten Return, den perfekten Punkt – und den perfekten Moment. Der war in Miami wieder einmal zwei Zentimeter zu spät.