Sinner stellt tennisgeschichte auf den kopf: alle masters nach 24 jahren

Jannik Sinner schreibt weiter mit eisiger Präzision geschichte – und lässt Rom beben. Der 24-jährige Südtiroler fegte im Finale des Italian Open Casper Ruud mit 6:4, 6:4 vom Platz, vollendete die Sammlung aller neun ATP-Masters-Turniere und baute seine Siegesserie auf 29 Matches aus. Kein Spieler zuvor erreichte diese Marke so jung. Keiner war jemals so dominant über alle Beläge und Bedingungen.

Sechster masters-titel in serie – und jetzt jagt er djokovic

Die Zahl 29 bedeutet Sechsplatziierung im ewigen Ranking der ATP-Ära. Nur Pete Sampras stand dort, niemand schaffte mehr als Novak Djokovic mit 43 Erfolgen 2010/11. Doch Sinner scheint kein Limit zu kennen. Seit Paris-Bercy 2025 gewann er jedes Masters-Turnier, das er betrat – sechs Stück in Folge, 27 Sätze nacheinander gewonnen, nur zweimal den Tiebreak abgegeben.

Ruud, selbst zweimal Finalsieger in Paris, fand kein Rezept. Ein frühes Break zum 2:0 im ersten Satz täuschte über die Machtverhältnisse hinweg. Sinner antwortete mit Return-Druck, variiert die Spin-Höhe und zwang den Norweger zu 18 Grundlinienfehlern innerhalb der beiden Sätze. Die Partie war nach 1:25 Stunden beendet, der Foro Italico tobte – 50 Jahre nach Adriano Panatta ist wieder ein Italiener König in Rom.

Die french-open-favoritenliste beginnt und endet mit einem namen

Die french-open-favoritenliste beginnt und endet mit einem namen

In zwölf Tagen startet in Roland Garros die Jagd auf das letzte Grand-Slam-Puzzle-Stück, das Sinner noch fehlt. Die Bilanz seit Jahresbeginn: 42 Siege, zwei Niederlagen, drei Major-Titel (Australian Open 2024 & 2025, Wimbledon 2025). Die Setbilanz auf Sand in dieser Saison: 15:0. Die Botschaft an die Konkurrenz ist laut, weil sie lückenlos ist.

Carlos Alcaraz fällt mit einer Rippenverletzung aus, Alexander Zverev flog in Rom früh raus und sagte daraufhin sogar seinen Heimauftritt in Hamburg ab. Daniil Medwedew zwang Sinner im Halbfinale erstmals seit Februar in einen dritten Satz – half nichts. Kurz nach dem Wiederbeginn am Samstag früh drehte der Italiener auf, nahm Medwedew fünfmal in Folge dessen Aufschlagspiel ab und beendete die Debatte.

Sportschau-Experte Boris Becker sprach von „einer neuen Dimension der Konstanz“ und verwies auf die Mischung aus Power, Körperspannung und mentalem Fels. Tatsächlich: Bei Break-Bällen lag Sinnerers Return-Quote bei 71 %, seine Fehlerquote sank in den entscheidenden Phasen statt zu steigen – ein Umstand, der selbst Roger Federer in besten Jahren selten gelang.

Was folgt, ist keine saison, sondern ein vermächtnis

Was folgt, ist keine saison, sondern ein vermächtnis

Für Ruud war das Finale dennoch ein Aufwärtstrend. Die Nummer 17 der Neueinstufung kehrt nach monatelangen Formtief in die Top 20 zurück. „Er spielt ein anderes Tennis als der Rest“, sagte Ruud und klang fast erleichtert, dass Paris in zwei Wochen ist. „Ich muss nur auf halbem Weg treffen, dann kann ich vielleicht ein Satzgewinn herausholen.“

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Sinner gewann 19 seiner letzten 20 Matches gegen Top-Ten-Spieler, holte in diesem Jahr bereits 7.220 Ranking-Punkte – so viel wie Zverev und Alcaraz zusammen. Und er hat noch keinen Punkt bei den French Open verteidigt. Die Jagd auf Djokovic’ Rekordserie von 43 Siegen ist ebenso realistisch wie der erste Grand-Slam-Titel auf Sand.

Während andere Spieler von Belastung und Verletzungen klagen, scheint Sinner jeden zusätzlichen Tag auf dem Platz zu genießen. „Ich will geschichte schreiben, nicht nur gewinnen“, sagte er nach dem Match in perfektem Südtiroler Akzent. geschichte schreibt er gerade – und die Tenniswelt schaut fasziniert zu, wie der nächste Kapitel schon in Paris wartet.