Sinner fegt die konkurrenz weg: indian wells war nur der anfang

Ein Schlag aufschlagen, sieben Punkte in Serie, Pokal in der Hand – Jannik Sinner hat in der Wüste von Kalifornien nicht nur ein Turnier gewonnen, er hat dem Tennis gehörig den Takt vorgegeben.

Der aufschlag kehrt zurück – und wie

91 % Punkte hinter dem ersten Aufschlag im Endspiel gegen Medvedev, keine Breakchance für den Russen, vier Asse im ersten Tiebreak – das sind keine Werte, das ist eine Kampfansage. Der 24-jährige Südtiroler ließ sich von einem verregneten Montecarlo in die Coachella Valley treiben, und plötzlich war alles da: die ruhige Hand, das schnelle Bein, die ruhige Seele.

„Ich bin früher angekommen, habe zwei Freunde eingeladen, bin Golf spielen gegangen und abends Playstation gezockt“, sagt Sinner. Klingt nach Teenager-Urlaub, ist High-Performance-Strategie. Zwischen zwei Runden Mario Kart mischt sich die Erkenntnis: Druck ist nur ein Programm, das man abstellen kann.

Die zahlen, die alle sprachlos machen

Die zahlen, die alle sprachlos machen

Seit dem verpatzten Doha-Aus gegen Mensik hat Sinner 31 von 33 Sätzen gewonnen, in Indian Wells das komplette Feld ohne Satzverlust abgefertigt. Mit dem Sieg schließt er die Sammlung der ATP-1000-Titel auf Hartplatz ab – Federer und Djokovic waren zuvor die einzigen, die das schafften. Dazu kommt das, was Coach Darren Cahill „die neue Gelassenheit in Extremsituationen“ nennt: 0-4 im zweiten Tiebreak, sieben Punkte später 7-4 – das ist keine Aufholjagd, das ist ein K.-o.

Miami liegt jetzt vor der Tür, wo er 2021 und 2023 Final-Niederlagen kassierte, 2024 aber den Titel holte. Die Bilanz seit seinem letzten Matchverlust vor drei Wochen: 18:1. Die Aussicht, erneut den Sunshine-Double zu schaffen, lastt seit Federer 2017 niemand mehr.

„Wenn du so einen Rhythmus hast, willst du ihn nicht ablegen“, sagt Sinner. Er spricht leise, fast wie jemand, der weiß, dass er gerade die Frage beantwortet hat, wie das nächste Kapitel beginnt. Die Antwort lautet: mit dem gleichen Aufschlag, nur noch schneller.