Pogacar jagt den klassiker-sieg: sanremo ohne wellens und narvaez

Die Uhr tickt. Am Samstag führt der 298 km lange Schatten der Via Roma nach Sanremo, und Tadej Pogacar hat nur noch einen Gedanken: endlich die Classicissima gewinnen. Die UAE-XRG nominierte heute ihr Siebener-Team – ohne Tim Wellens und Jonathan Narvaez. Beide stürzten in der Saisonauftaktphase, beide sitzen weiter im Reha-Modus. Für Pogacar heißt das: keine Alternativen, nur Treue.

Die sieben krieger um den doppelweltmeister

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Neben Pogacar fahren Novak, Florian Vermeesch, Christen, McNulty, Großschartner und der frisch gebackene Tirreno-Sieger Isaac Del Toro. Letzterer ist erst 21, doch sein Kalender ist schon auf „Tadej-Modus“ gestellt: „Ich bin seine letzte Lokomotive auf der Cipressa“, sagte er nach der Tirreno-Etappe in Sassotetto. Die Botschaft ist klar: wer vor dem Slovenen windet, fliegt aus dem Zug.

Die Statistik nagt an Pogacar. Fünf Starts, zwei Podestplätze – 2024 und 2025 jeweils Rang drei. Kein Sieg. Die Presse nennt es „Sanremo-Fluch“, er selbst nennt es „Hausaufgabe“. Die Cipressa und der Poggio liegen ihm, doch die Via Roma verweigert sich. Mit 298 km ist die Strecke länger als ein Grand-Tour-Etappenmittel, und die Beine der Gegner sind diesmal nicht müder, nur anders organisiert: Van der Poel, Van Aert, Evenepoel – alle haben ihre Formkurve auf Samstag zugeschnitten.

Doch die wahre Waffe könnte Del Toro sein. Der Mexikaner gewann Tirreno mit 42 Sekunden Vorsprung – auf einem Kurs, der Sanremo in Miniatur kopiert: Wellenberg, Angriff, Solo. Wenn er auf der Cipressa das Tempo zieht, bleibt vielleicht nur Pogacar im Ritzel sitzen. Dann wäre es kein Fluchtspiel, sondern ein Schachzug mit zwei Türmen.

Die Mannschaftsleitung bestätigte: keine Sandkastenexperimente. „Wir fahren mit dem stärksten sieben Mann, die wir haben“, sagte Sportsdirektor Joxean Fernández. „Und mit dem achten Mann im Kopf: dem Streckenzwang.“ Die Nennung kam punktgenau 48 Stunden vor dem Start – ein Zeichen, dass sie keine weiteren Prognosen mehr ertragen. Nun zählt nur noch Pedale drücken.

Für Pogacar ist Sanremo die letzte weiße Fleck auf seiner Monument-Landkarte. Milan–Sanremo, Lüttich–Bastogne–Lüttich, Paris–Roubaix, die Flandern-Rundfahrt: alles schon da, nur die Blumen am Mittelmeer fehlen. Wenn er am Samstag über die Via Roma brettert, wird daraus ein Kurzfilm: 6,2 Sekunden Sprint, 6 Jahre Warten. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.