Simon ehammer rächt sich in torun und schreibt geschichte

Er schlug zu, als niemand damit rechnete. Simon Ehammer, der Mann, der 2025 in Tokio noch im Hochsprung scheiterte, jagt in Polen einen 14 Jahre alten Weltrekord und stellt die erste Hallen-Bestmarke der Schweizer Leichtathletikgeschichte auf.

Die Zahl 6670 explodierte am Samstagabend in der Halle von Torun wie ein Neujahrsfeuerwerk. 25 Punkte mehr als Ashton Eaton 2012. 333 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Heath Baldwin. Kyle Garland wurde Dritter, Manuel Eitel Neunter. Die Rangliste liest sich wie ein K.o.-Schlag.

Ehammers antwort auf tokio

Die Bilder vom September sitzen tief. Drei Fehlversuche, dann der leere Blick. Der Medaillenkandidat war raus, Neugebauer jubelte. Was viele vergaßen: Ehammer hatte sich selbst zugesagt, dass er zurückkommen würde – und zwar lauter. In Torun ließ er die Muskeln sprechen. 60 m in 6,69 s, Weitsprung 8,07 m, 60 m Hürden 7,75 s. Kein Schwächeanfall, keine Zitterpartie.

Das Scoreboard zählte mit jedem Durchgang die Sekunden herunter, und die polnischen Zuschauer merkten, dass sie Zeuge eines historischen Laufs wurden. Als der letzte 1000-m-Wert fixiert war, schlug Ehammer die Hände vors Gesicht. Kein Jubel, erst mal Stille. Dann der Blick zur Anzeigetafel: Weltrekord, Schweizer Rekord, persönliche Bestleistung – alles in einem Abend.

Die schweiz erfindet sich neu

Die schweiz erfindet sich neu

Bis Samstag galt die Schweiz als Nation der Skifahrer und Radler. Hallen-Weltrekorde? Fehlanzeige. Ehammer ändert das Narrativ mit einem einzigen Wettkampf. Sein Name steht nun neben denen von Eaton, Harbig, Smith – und er ist der Erste, der dieses Kunststück in der Schweizer Nationalfarbe wagt.

Der 26-Jährige trainiert in der Halle von Magglingen, 700 Meter über dem Meeresspiegel. Kein Weltklasse-Komplex, dafür ein Coach, der auf Langzeitdenken setzt. Die Taktik ging auf: Früh Druck machen, die Konkurrenz am ersten Tag mental abschütteln, dann den Vorsprung verwalten. Die Tabelle lügt nicht: Nach fünf Disziplinen führte er mit 304 Punkten, am Ende waren es 333. Dominanz, keine Glückssache.

Was bedeutet das für Leo Neugebauer? Der Österreicher, der in Tokio Gold holte, muss seine Hausaufgaben neu machen. Die Hallen-Saison 2026 verspricht ein Duell auf Augenhöhe. Neugebauer bringt die Länge, Ehammer die Explosion. Die Fans können sich auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen freuen, das vielleicht schon bei der Indoor-EM in Amsterdam beginnt.

Die Leichtathletik-Welt ist wieder in Aufruhr. Ein Rekord, der 14 Jahre überdauerte, fiel in einer Halle in Polen. Simon Ehammer hat nicht nur Zahlen übertroffen – er hat eine Geschichte geschrieben, die seine Niederlage von Tokio um einen Schlag in ein Triumphkapitel verwandelt. Die Saison 2026 kann kommen; der Schweizer hat seinen Anspruch angemeldet. Und er hat bewiesen: Rache kann süß sein – besonders, wenn sie 6.670 Punkte schwer ist.