Siewert bricht sein schweigen: freistellung, schlaganfall – und der plan, zurückzukommen

32 Jahre alt, zwei Schlaganfälle, raus aus Berlin – Jaron Siewert redet zum ersten Mal über die Tage, die sein Leben zerlegten. Und über die Nächte, in denen er beschloss, noch stärker zurückzukehren.

„Ich bin mein größter kritiker“

Der Ex-Füchse-Coach sitzt in der Wintersonne von Usedom, redet ruhig, fast flüsternd. Nur wenn er an die Minuten nach dem zweiten Schlaganfall denkt, stockt seine Stimme. 29. Oktober 2025, drei Monate nach seiner Entlassung. „Da hat mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt er. Die Ärzte erklären ihm, das Blutgerinnungsmittel, das ihn nach dem ersten Schlaganfall 2022 am Leben hielt, habe sich gegen ihn gedreht. Ein Medikament, kein Stress, sei der Auslöser. Für Siewert ist das keine Entschuldigung, sondern eine Erklärung – und ein Startschuss.

Der Rauswurf war ein Kaltstart. Vertrag unterschrieben, dann Rückzieher von Manager Bob Hanning. „Von einer Woche zur anderen war mein Traum geplatzt“, erzählt er. Frank Steffels Interview, in dem die Trennung angekündigt wurde, erreichte ihn im Sommerurlaub. „Ich war gutgläubig.“ Die Alarmantennen hätten schlagen müssen. Taten sie nicht. Stattdessen packte seine Frau die Koffer, sie fuhren an die Ostsee. Drei Wochen nur Familie, Tränen, Spaziergänge. „Mental ging’s mir beschissen“, sagt er. „Aber sie haben mir eingeredet, dass ich keinen Fehler gemacht habe.“

Die quarantäne ist vorbei

Die quarantäne ist vorbei

Heute will er nicht mehr versteckt spielen. Drei, vier Vereine haben schon angeklopft, bevor der zweite Schlaganfall alles auf Eis legte. Kein Angebot wurde abgelehnt, nur verschoben. „Ich bin bereit“, sagt er. „Nur Plan A: Cheftrainer.“ Ein ambitioniertes Projekt soll es sein, nicht unbedingt Champions-League-Finale, aber ein Klub, der nach oben schaut. „Ich muss zum Projekt passen, das Projekt muss zu mir passen.“

Was er vermisst? Nicht die Kamera, nicht die Pressekonferenz. Er vermisst die Seitenlinie, das Quietschen der Schuhe, den Geruch von Resin. „Ich will wieder eine Teamchemie formen, eine Gewinnerkultur implementieren“, sagt er. Die Füchse guckt er weiter, aber ohne Wehmut. „Es ist eine schöne Geschichte, die ich irgendwann meinen Enkeln erzähle.“

Seine Energie schöpft er aus den kleinen Momenten: Sohnemann wirft den ersten Torwurf im Garten, Tochter erklärt ihm, warum Grün ihre Lieblingsfarbe ist. „Die geben mir 120 %, keine Leistungskontrolle nötig.“ Die Ärzte geben grünes Licht, er nähert sich den 100 %, sagt er. Und dann kommt der Satz, der bleibt: „Ich will zurück – und zwar stärker als vorher.“

Keine offenen Fragen, kein „wenn“ oder „aber“. Siewert hat den Countdown gestartet. Wer ihn einstellt, bekommt keinen Trainer mit Handicap, sondern einen, der weiß, wie schnell das Leben kippen kann – und wie sehr es sich lohnt, wieder aufzustehen.