Shkelqim vladi ballert aarau aus dem tief – sein geständnis: «ich war fast fertig»
15 Tore in 18 Spielen, drei Hattricks, ein Solo gegen den FC Stade Lausanne und ein Spitzname, den man sich nicht erbetteln kann: Lebensversicherung. Shkelqim Vladi hat den FC aarau aus der Bedeutungslosigkeit geprügelt, zurück in die Diskussion um den Aufstieg. Doch hinter den Zahlen steckt eine Geschichte, die in der Super League kaum jemand erzählt hat.
St. gallen war keine abkürzung, sondern eine falle
«Ich habe morgens aufgestanden und wusste: Heute werde ich wieder nur Zuschauer», sagt Vladi, während er mit den Fingerspitzen über die Rückenlehne der Holzbank im Stadion Brügglifeld fährt. Sechs Monate verbrannte er in St. Gallen. Kein Treffer, kein Assist, kein Plan. «Der Trainer sagte mir, er brauche meine Art von Stürmer. Dann spielte er doch wieder mit falscher Neun.» Der Vertrag lief nur ein halbes Jahr, die Erinnerung nagt noch heute. «Ich dachte: Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug fürs höchste Niveau.»
Die Ostschweiz hinterließ ein Loch, das tiefer ging als die Statistik. Vladi redete sich ein, dass es an der Philosophie liege. Intern hieß es, er sei «nicht intensiv genug». Er selbst spricht von einem «Missverständnis, das beide Seiten missverstanden haben». Der FC aarau zog ihn im Winter 2023 ab, für ein Pfund Butter und die Hoffnung, dass ein Wechsel in die zweite Liga keine Demütigung, sondern ein Neuanfang sei.

Die challenge league als letzte rettung
In aarau angekommen, schlich Vladi zunächst durch die Kabine wie ein Gast, der zu spät zur Party kommt. Die ersten Trainingswochen verliefen lautlos. «Ich war still, weil ich Angst hatte, wieder zu enttäuschen», gesteht er. Dann schoss er beim Test gegen Wil drei Tore, traf in Luzern im Cup, und plötzlich schrieben die Zeitungen wieder über ihn statt über ihn hinweg. «Der Ball war wieder mein Freund, nicht mein Richter.»
Die Erleichterung ist ihm anzusehen, wenn er nach jedem Tor die Hand zum Ohr spannt und den Tribünen zulauscht. «Das sind keine Fans, das ist meine Familie», sagt er. Die Aarauer Ultrás haben ein Lied gedichtet, das mit «Shkelqim, unser Shqipe» endet. Er selbst kann es mittlerweile mitsingen, obwohl sein Schweizerdeutsch noch immer nach Tessin klingt.

Die rückkehr in die super league liegt auf dem tisch – aber nur mit aarau
Scouts von Basel und Young Boys waren bereits in Brügglifeld, doch Vladi blockierte. «Ich will nicht wieder ein halbes Jahr sein, ich will derjenige sein, der den Aufstieg schafft.» Der FC aarau liegt zwei Punkte hinter dem Relegationsplatz, die Restserie verspricht Drama. «Wenn wir aufsteigen, bin ich kein Rückschritt mehr, sondern ein Upgrade.»
Sein Vertrag läuft 2025 aus, eine Klausel für die Super League ist eingebaut. Sportchef Philipp Kresnik lacht, wenn er die Summe nennt: «Wir haben keinen Preis, wir haben einen Plan.» Vladi selbst trainiert seit Januar mit einem GPS-Gurt, der seine Sprintwerte um 12 % verbessert hat. «Ich bin nicht schneller geworden, ich bin endlich wieder frei.»
Am Freitag gastiert der FC Winterthur, Tabellenführer und Ex-Verein von Vladi’s Berater. «Wenn ich treffe, rufe ich meine Mutter an. Sie weint immer, egal wie oft ich es verspreche.» Dann lacht er, und es klingt, als würde er sich selbst überraschen. Der Stürmer, der in St. Gallen fast aufgab, ist zurück – und er trägt aarau auf den Schultern in die Zukunft.
