Shiffrin zerquetscht aichers traum schon vor dem finale – nur noch theorie übrig
Mikaela Shiffrin schickt Emma Aicher mit einem beispiellosen ersten Slalom-Lauf in Hafjell in die Knie. 1,38 Sekunden Vorsprung, das ist keine Lücke, das ist eine Schlucht. Die 29-jährige US-Amerikanerin fährt wie auf Schienen, während die 22-jährige Ravensburgerin sich an der Zielaufstellung die Schneebrille zurechtrückt und weiß: Das war’s, die große Kristallkugel rutscht ihr heute womöglich schon weg.

Aicher braucht ein wunder – und selbst das reicht womöglich nicht
Die Rechnung ist gnadenlos. Sollte Shiffrin um 13.30 Uhr auch den zweiten Durchgang gewinnen, muss Aicher mindestens Vierte werden, um die Entscheidung auf den Riesenslalom am Mittwoch zu verlagern. Dann läge sie aber 95 Punkte zurück – ein Handicap, das in der Ski-Weltcup-Historie noch keiner mehr aufgeholt hat. Die kleine Kristallkugel für die Slalom-Wertung hat Shiffrin ohnehin schon zum siebten Mal eingepackt, sieben von neun Rennen gewonnen, olympischer Slalom-Gold, Saison vorbei, Ende.
Lena Dürr schaut von Platz elf (+2,45 Sekunden) nur auf das Rote der Uhr, nicht auf Medaillen. Für sie geht es um Weltcup-Punkte, um Ranking, um Sponsorenverträge. Für Aicher geht es um die große Karriere-Story, die sich in 60 Toren zwischen den Fahnen entscheidet. Die erste Fahrt war schon ein Déjà-vu: Shiffrin on fire, Aicher mit zu wenig Druck auf der Außenkante, zu viel Risiko, zu wenig Reward.
Der Olympiahang von Lillehammer, 1994 geebnet, ist heute ein Schauplatz der Demontage. Shiffrin jagt Annemarie Moser-Prölls Rekord von sechs Gesamtweltcups, Aicher jagt ihre erste. Nach dem ersten Lauf klingt das wie ein frommer Wunsch. Die Zahlen sind gnädig für Shiffrin, grausam für Aicher: 1,38 Sekunden, das sind auf 55 Toren rund 25 Meter – ein halber Weltcup-Zeitabstand, gemessen in Lebensentwürfen.
