Pogacar gewinnt mailand–sanremo auf einem zerbrochenen rad

Tadej Pogacar raste mit einem gerissenen Rahmen über die Via Roma – und holte dennoch das vierte Monument. Der UAE-Mechaniker packt aus: Ohne den Sturz vor der Cipressa hätte niemand das Risiko erlaubt.

Der crash, der keiner war – zumindest auf den ersten blick

30 Kilometer vor dem Ziel klapperte die Peloton über den Asphalt. Pogacar landete auf der linken Seite, sprang sofort auf, checkte Schaltung und Bremsen – alles tight. Erst im Zelt nach dem Ziel entdeckte Bostjan Kavcnik den Haarriss in der Hinterradgabel. «Das Teil hätte in der Abfahrt von der Poggio wegknicken können», sagt der Slowene leise. «Tadej wusste nichts, also sagten wir nichts.»

Die Rechnung ging auf. Pogacar jagte auf 54-mm-Vorderrad und 28-mm-Reifen, erstmals ohne Umwerfer – 130 Gramm leichter, 2,3 Watt schneller. Die Aero-Jongleure von UAE hatten die Kombi im Windkanal verfeinert, um auf der Ligurischen Küste die letzten 300 Meter zu dominieren. Der Preis: ein Mikroriss, der sich auf der Cipressa zur Gabelwunde ausweitete.

Warum das rad nicht gewechselt wurde

Warum das rad nicht gewechselt wurde

Einzelnes Kettenblatt, Carbon-Speichen, 380-Watt-Schnitt – das Setup war auf diesen Tag zugeschnitten. Ein Bike-Wechsel hätte zwölf Sekunden gekostet, die Etappe der Verfolger eingeleitet. «Wir wollten keinen Zeitverlust riskieren», so Kavcnik. «Die Gabel hielt, also hielten wir den Atem an.»

Im Ziel: vier Sekunden Vorsprung auf Van Aert, ein Schritt näher zum Kalender-Gewinn. Pogacar selbst lacht nur: «Ich fühlte ein leichtes Vibrieren, dachte aber an Kopfsteinpflaster.» Erst das Foto des gesplitterten Rahmens auf seinem Handy ließ ihn schlucken. «Nächstes Mal schaue ich zweimal – oder lasse mir einfach kein Monument mehr entgehen.»