Shiffrin zerlegt das feld: 1,10 sekunden vorsprung vor dem finale – rast versinkt im frühlingsschnee
Mikaela Shiffrin hat den letzten Slalom vor der WM-Abreise in eine persönliche Demonstration verwandelt. 1,10 Sekunden liegen zwischen ihr und Wendy Holdener – eine Gletscherspalte, keine Lücke. Die US-Amerikanerin fuhr auf der längsten Slalomstrecke des Winters eine Zeit von 1:10,22 min und schickt damit die Konkurrenz vorzeitig in die Sommerpause.
Der lauf, der alte fragen neu stellt
Paula Moltzan, Shiffrins Teamkollegin, landete als Dritte nur zwei Hundertstel hinter Holdener. Die beiden scheinen sich in einer eigenen Liga zu bewegen – nur eben eine Etage unter Shiffrin. Emma Aicher, noch im Rennen um die große Kristallkugel, kassierte 1,38 Sekunden Rückstand und liegt nun 95 Punkte zurück. Das Finale ist theoretisch, praktisch entschieden.
Camille Rast, die einzige Skirennfahrerin, die Shiffrin in diesem Winter schon schlagen konnte, fand im matschigen Frühlingsschnee keinen Rhythmus. 2,22 Sekunden fehlten, Rang acht – ihr schlechtestes Slalom-Ergebnis seit zwei Jahren. Die Schweizer Hoffnung schmolz mit jedem Tor, das sie zu spät traf.

Die strecke, die alle in die knie zwingt
70 Sekunden reine Fahrtzeit, 612 Höhenmeter, Schnee so zäh wie Kaugummi – die Organisatoren haben aus dem letzten Slalom eine kleine Tortur gemacht. „Man muss sich pushen, aber gleichzeitig sauber bleiben“, sagte Holdener, nachdem sie als Zweite ins Ziel rutschte. Sie wusste: Shiffrin war heute nicht schlagbar.
Mélanie Meillard und Eliane Christen verloren je über drei Sekunden, retteten sich noch in die Punkteränge 15 und 16. Für sie zählt nur noch die Ehre, denn beim Finale bekommen nur die ersten 15 Läuferinnen Zähler. Die Devise lautet: Risiko, aber mit dem Kopf.
Shiffrin selbst wirkte nach dem Lauf wie nach einem lockeren Trainingstag. Kein Jubel, kein Fäustchen – nur ein kurzer Nicken Richtung Trainer und das Wissen, dass diese Saison ihr gehört. Die 31-Jährige jagt nicht mehr nur Siege, sie schreibt Lehrbücher. Und die Konkurrenz liest mit.