Shiffrin schreibt in lillehammer die halbe sechser-geschichte
Ein einziger Lauf reichte Mikaela Shiffrin, um in Lillehammer die Favoritenrolle vom Papier in Schnee zu meißeln. 1,10 Sekunden trennen sie von Wendy Holdener, 1,38 Sekunden von Emma Aicher – Zahlen, die klingen, als hätte jemand den Slalom mit der Handbremse gewonnen.

Die maschine meldet sich zum letzten mal
Shiffrin selbst lacht nach dem Finish, als hätte sie einen Kaffee bestellt, nicht eine Konkurrenz demontiert. „Zwei verschiedene Kurse in einem – ich wusste nicht, wie aggressiv ich starten sollte, also fuhr ich einfach Vollgas.“ Das reichte für Rang eins, die kleine Kristallkugel und die Machtfrage im Kampf um die große. 45 Punkte Vorsprung bedeuten: Aicher muss heute mindestens Vierter werden, um vor dem Riesenslalom noch theoretisch mitzureden. Dabei ist Are kein Trost: Dort verlor die 22-Jährige zwar nur fünf Zähler, gewann aber keine Schlacht, sondern lediglich einen Skalp.
Paula Moltzan liegt als dritte US-Amerikanerin dazwischen, Lena Dürr als elfte Deutsche abseits. Für Dürr ist der Slalom ein Desaster mit Ansage: 2,45 Sekunden Rückstand sind im Kleinformat eine Ewigkeit. Das Rennen um 13.30 Uhr wird live zur Abstimmung: Entweder krönt Shiffrin ihre sechste große Kugel und stellt sich neben Annemarie Moser-Pröll, oder Aicher schreibt das Märchen weiter. Die Wahrscheinlichkeit rechnet sich wie ein Salto auf der Zielgeraden – möglich, aber selten.
Shiffrin selbst scherzt, sie habe „nur“ acht von neun Slaloms gewonnen, Olympiasieg inklusive. Die Neun ist heute dran. Und mit ihr die Geschichte, die sie seit ihrer ersten Kristallkugel 2013 schreibt. Sieben kleine Kugeln, sechs große – bald vielleicht sechs wie die Rekordhalterin. Die Zahl ist Programm, nicht Zufall.
