Shiffrin krönt sich zum sechsten mal: rekord-globe ist ihres

Mikaela Shiffrin musste nur die 15. werden. Am Ende wurde sie in Lillehammer Elfte – und lachte trotzdem. Der Große Kristall-Wanderpokal bleibt ihr, die US-Amerikanerin zieht mit Annemarie Moser-Pröll gleich, und niemand in der Geschichte des alpinen Skisports hat mehr Weltcup-Gesamtsiege auf dem Konto.

Die rechnung war simpel, das drama groß

Im gestrigen Riesenslalom der Saison-Finale ging es nicht um Sekundenbruchteile, sondern um Nerven. Shiffrin führte 220 Punkte vor der Deutschen Emma Aicher, die ihren schwächsten Discus bestreiten sollte. Theoretisch reichte Platz 30, praktisch wollte niemand das Risiko eingehen. Dann passierte das Undenkbare: Shiffrin patzte im oberen Steilhang der ersten Lauf-Trasse, verlor 1,55 Sekunden auf Lauf-Beste Valerie Grenier und rutsch auf Rang 17 ab. Kurz: Weiter geht’s.

Aicher lag nach Durchgang eins Dritte, 0,74 Sekunden hinter Grenier, 0,26 vor Shiffrin – die deutsche Hoffnung auf den Gesamtweltcup war wieder wach. Doch wer Aicher auf der Streif oder in Kitzbühel gesehen hat, weiß: Der Riesenslalom ist ihre Achillesferse. Im Ziel der zweiten Fahrt stand eine 1:10,67 Minuten – schlechteste Zeit des Tages, Platz 27 im Lauf und Platz 12 Gesamt. Die Devise „alles oder nichts“ hatte sich in „nichts“ verwandelt.

Tränen statt zittern

Tränen statt zittern

Shiffrin, mittlerweile sieben Kilometer entfernt im Athleten-Hotel, bekam die Live-Zahlen aufs Handy. Als klar war, dass ihre 2:18,81 Minuten reichen, lief sie zurück ins Zielstadion – mit roten Augen, aber freiem Kopf. „Ich hasse es, so zu gewinnen“, sagte sie später, „aber ich liebe es, noch einmal zu gewinnen.“ Der sechste Gesamt-Weltcup ist Geschichte, Rekord 1:1 mit Moser-Pröll, aber dazu noch 110 Weltcup-Siege, neun Slalom-Kristallkugeln und jetzt auch Olympia-Gold in Milan-Cortina. Der Slalom-König ist zur Skilegende mutiert.

Valerie Grenier holte sich mit 2:16,79 Minuten ihren zweiten Saisonsieg, Mina Fürst Holtmann wurde zweite, Julia Scheib Dritte. Für Deutschland bleibt die Bilanz der Final-Woche bitter: Auf Aicher’s Konto stand am Ende nur der Stockerlplatz im Slalom, der Rest war Luft. Die nächste Saison beginnt in Sölden – und Shiffrin fährt wieder als Favoritin auf, diesmal mit der ewige Jagd auf Stenmarks 86 Siegen im Visier.