Seyfarth fliegt 227,5 m: deutscher rekord in vikersund – aber die wertung zählt ihn nicht

Juliane Seyfarth hat die Monstrosität von Vikersund besiegt, nicht aber das Regelwerk. Ihre 227,5 m im zweiten Durchgang wären neuer deutscher Skiflug-Rekord – doch der Versuch wurde wegen Windstopp annulliert. Die 36-Jährige rutschte auf Platz 11 ab, während Eirin Maria Kvandal erneut die Einzelrichter für sich vereinte.

Kvandal bleibt die königin der thermik

Der norwegische Doppelsieg von gestag wiederholt sich: Kvandal setzt sich mit 243,5 m und 234,0 m vor Nika Prevc und Anna Odine Ström durch. Letztere landet bei 243,0 m – nur zwei Meter fehlen zum Weltrekord von Daniela Iraschko-Stolz. Die Kulisse tobt, die Uhr bleibt stehen: 243 m sind in Vikersund keine Zahl, sondern ein Statement.

Katharina Schmid liefert das emotionale Schmankerl des Tages. 204,0 m bedeuten ihre erste 200er-Marke – und sie feiert sich selbst wie einen Sieg. „Ich habe endlich die Schallmauer durchbrochen“, sagt die 23-Jährige, während ihre Kolleginnen sie auf der Anklopfschwelle umarmen. Platz 17 im ersten Durchgang? Nebensache. Die Zahlen auf der Anzeigetafel zählen, nicht die Rangliste.

Wind stoppt deutschen rekord – und die moral nicht

Wind stoppt deutschen rekord – und die moral nicht

Selina Freitag war die erste, die Seyfarth den vorläufigen DSV-Rekord abnahm: 216,0 m im ersten Sprung. Sekunden später steht bereits die nächste deutsche Athletin auf der Schanze – und übertreibt noch einmal. Doch Windgeschwindigkeiten von über 2 m/s an der Kante machen den zweiten Durchgang zur Farce. Die Jury bricht ab, die Rekordliste bleibt unverändert – zumindest offiziell.

Die Botschaft ist trotzdem angekommen: Die deutschen Frauen haben die Flugphase erreicht. 227,5 m sind kein Zufall, sondern Ergebnis eines Sommers voller Gewichts- und Technik-Arbeit. Seyfarth selbst bleibt gelassen: „Rekorde sind Papier, ich will Podestplätze.“

Mit nur noch zwei Weltcup-Springen bis Planica steht fest: Wer in Vikersund fliegt, der fliegt auch in der Slowenien-Riesen-Schanze. Und dort zählt jeder Meter – Wind oder nicht.