Sevilla frisst trainer: 14 wechsel, null stabilität – wer stoppt die turbo-rotation?
Seit Unai Emery 2016 die Ramón-Sánchez-Pizjuán verließ, jagt der FC Sevilla keine Gegner, sondern Trainer. 14 Chefwechsel in zehn Jahren – ein europäischer Rekord, der nichts mit sportlicher Logik zu tun hat. Der letzte Ausgeschiedene: Matías Almeyda, nach 32 Pflichtspielen und 1,16 Punkten pro Spiel gefeuert. Wer die Zahlen kennt, ahnt: Das Problem sitzt nicht auf der Bank, sondern im Büro.
Die post-emery-falle: drei europa-league-titel als zündstoff
Emery hinterließ keine Lücke, sondern ein Vakuum. Drei Europa-League-Cups in Folge schraubten die Erwartungshaltung so hoch, dass jeder Nachfolger vor lauter Sauerstoffmangel kollabierte. Jorge Sampaoli schaffte 2017 noch die Champions-League-Achtelfinals – und flog trotzdem raus, weil die Argentinische Fußball-Association rief. Seine Rückkehr 2022 dauerte 165 Tage, Notenstufe: mangelhaft.
Seitdem folgte ein Name den nächsten. Eduardo Berizzo begann 2017 die Serie von Mid-Season-Entlassungen, obwohl er 1,78 Punkte schnitt – identisch mit Emery. Vincenzo Montella gewann 2018 in Manchester, verlor danach neun Spiele in Serie und durfte nach der 0:5-Cup-Pleite gegen Barcelona direkt weiterreisen.

Caparrós, der dauereinsatz-feuerwehrmann
Joaquín Caparrós sprang dreimal ein, zweimal rettete er die Saison, einmal verfehlte er sie. Seine Quote: zwischen 2,50 und 0,71 Punkten – je nach Brandstufe. Die Botschaft: Kein Trainer ist vor dem Rotationsprinzip sicher, selbst der eigene Notnagel wird irgendwann stumpf.
Julen Lopetegui schaffte 2020 das Kunststück, eine ganze Spielzeit zu überleben – plus Europa-League-Sieg gegen United und Inter. Doch selbst ihm reichte eine schwache Hinrunde 2022, um entlassen zu werden. 170 Spiele, 1,85 Punkte pro Partie, Trotzdem: Weg.

Mendilibar-phänomen: pokalsieg als ticket zur kündigung
José Luis Mendilibar landete 2023 den größten Underdog-Coup der Klubgeschichte: Manchester United, Juventus, Roma – alles ausgeschaltet. Das Dankeschön folgte im Oktober: Ablöse. Diego Alonso wurde verpflichtet, blieb 67 Tage, holte gegen Profis genauso viele Punkte wie gegen Amateurclubs. Kurz: 0,79-Zeugnis, Note 6.
Quique Sánchez Flores feuerte sich durch 25 Spiele, rettete den Klassenverbleib, träumte von einem zweiten Jahr – und wurde durch Xavi García Pimienta ersetzt. Der bekam nach sieben Spielen eine Vertragsverlängerung bis 2027, weil er Valladolid schlug. Vier Niederlagen später stand Caparrós wieder in der Kabine, diesmal mit 1,24 Punkten und dem sicheren Gefühl, dass seine Telefonnumir nie abläuft.

Almeydas ende und die frage: warum dreht sich die tür weiter?
Matías Almeyda versprach „gegen die Depression“ zu coachen, sprach von Leidenschaft, spielte mit drei Sturmspitzen – und kassierte 45 Gegentore in 32 Liga-Spielen. Die 0:2-Heimpleite gegen Valencia war die finale Demontage. Sportdirektor José María Cruz de Andrade alias „Nido Carranco“ zog den Stecker, bevor die Kurve wieder Feuer unterm Dach vermutete.
Die Statistik lügt nicht: Seit Emery verzeichnet Sevilla 14 Trainerwechsel bei nur acht Spielzeiten. Kein Klub Europas entlässt schneller, keiner hegt dabei so stark den Mythos, dass der nächste Coach schon der Richtige sei. Luis García Plaza steht bereit – und weiß, dass die Ramón-Sánchez-Pizjuán kein Arbeitsplatz, sondern ein Kreislauf ist.
Die Maschine dreht weiter. Und sie frisst, bevor sie produziert.