Serie c: 1.369 catania-fans sitzen plötzlich auf verlorenen tickets – pelligra droht mit rückzug
1.369 rosaschwarze Trikots waren schon gepackt, 1.369 Hotelzimmer gebucht, 1.369 Arbeits- und Familienkalender umgeschmissen – für nichts. Die Präfektur von Benevento sperrte gestern Morgen, 27 Stunden vor dem Spitzenspiel gegen Catania, die Auswärtsblöcke. Kein einziger Sizilianer darf die A3 hinauffahren, um die Tabellenerste beim Tabellenzweiten zu sehen. Die Begründung: Gefahr von Autobahn-Treffen mit Cavese- und Cosenza-Anhängern. Die Timing: ein Schlag ins Gesicht der Organisierung.
Ein präsident dreht den spielfilm ab
Rosario Pelligra, Präsident von Catania, kündigt an, das Spiel in Benevento zu boykottieren. „Ich werde nicht in der Vigorito sein“, sagt er knapp. Gemeinsam mit den Co-Eigentümern Vincenzo Grella und Mark Bresciano fliegt er zurück nach Sizilien. Parallel reicht der Klub Eilantrag beim TAR ein – genau wie Cavese, deren Fans ebenfalls von der Partie in Crotone ausgeschlossen wurden. Die Kurve: ein Prozess gegen den italienischen Amateurfußball, der sich selbst zerstört.
Die Zahlen sind brutaler als jedes Tifo-Verbot. 1.369 Karten waren bereits verkauft, die Rückerstattung kostet den Klub fünfstellige Summen, die Hotels verlangen Stornogebühren, die Busunternehmen ebenfalls. Pelligra rechnet vor: „Wer investiert noch in ein Produkt, dessen Regeln sich 24 Stunden vor dem Finale ändern?“ Seine Frage zielt nicht auf Sicherheitskräfte, sondern auf Lega Pro und FIGC, die erst gestern das Risiko erkannt haben – obwohl das Spiel seit Wochen als Hochrisikospiel kursierte.

Die autobahn wird zur arena
Der eigentliche Knaller: Das angebliche Risiko entsteht nicht im Stadion, sondern auf 250 Kilometern Asphalt zwischen Salerno und Benevento. Die Behörden fürchten Zusammenstöße zwischen Catania-, Cavese- und Cosenza-Ultras auf den Rastplätzen. Die Lösung: komplette Sperre. Die Folge: Fans, die sich nie eine Schlägerei geliefert hätten, werden kollektiv bestraft, während die organisierten Gewaltgruppen weiterhin per Auto konvoiieren können – nur eben ohne rote Farbe am Arm.
Die Serie C spielt morgen Abend drei Top-Spiele gleichzeitig: Benevento-Catania, Potenza-Cosenza, Crotone-Cavese. Alle drei Auswärtsblocks sind dicht. Die Liga erhofft sich Imageschaden zu vermeiden, schafft das Gegenteil. Social-Media-Kanäle der Klubs explodieren mit Videos leerer Tribünen und verärgerten Selfies. Der Hashtag #freethecurve trendet seit Stunden auf italienisch. Die Botschaft: Wer seine treuesten Kunden 24 Stunden vor dem Event abserviert, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Stadion morgen klingt wie eine Bibliothek – und die Zukunft des Klubs wie ein Fragezeichen.
