Senegal zieht vor den cas: afrika-cup-titel wegen boykott-rabatz aberkannt
Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Es ist der nackte Reflex einer geschlagenen Elite: Kaum hat die CAF-Sekretäre den Stempel auf das Urteil gedrückt, schlägt Dakar zurück. Der senegalesische Verband will den Afrika-Cup-Titel, der am 18. Januar in Rabat in Tränen und Tumult unterging, per CAS-Revision zurückerobern. Begründung: Artikel 82 und 84 seien nach einem Boykott-Minidrama „willkürlich“ ausgelegt worden.
Chaos in der 118. minute – der moment, der alles entfachte
Marokko lag 0:1 zurück, als Schiedsrichter Lahlou Benbraham nach VAR-Check einen Strafstoß pfeift. Brahim Díaz schlurft zum Punkt – und trifft die Latte. Sekunden danach verlässt die komplette Senegalese-Elf den Rasen, weil zuvor ein Fehlentscheid vermutet wurde. TV-Bilder zeigen Sadio Mané, der mit erhobenem Zeigefinger auf die Tribüne deutet, während Teamkollege Nicolas Jackson den Ball wegschießt und mit den Fäusten droht. Erst nach 13 Minuten Unterbrechung kehrt das Team zurück – und hält den 1:0-Sieg über die Verlängerung.
Die CAF-Berufungskommission sieht darin einen „regelwidrigen Spielunterbruch“ und wertet das Finale nachträglich 3:0 für Marokko. Senegal verliert den zweiten Continental-Titel innerhalb von 48 Stunden. Der Verband reagiert mit einem Statement, das wie ein Kriegsaufruf klingt: „Diese Entscheidung schadet dem Ruf des afrikanischen Fußballs auf ewig.“

Der preis der revolte: millionen-prämie weg, image ramponiert
Die finanzielle Kehrtwende ist brutal: Weg sind 1,5 Mio. Dollar Siegprämie, weg der Bonus aus dem staatlichen Förderfonds. Dafür drohen der FA Sénégal nun Anwaltskosten in Höhe von rund 400 000 Euro, sollte der CAS das Verfahren zulassen. Experten halten die Erfolgsaussichten für schmal. „Die CAF hat sich an ihrer eigenen Satzung festgehalten“, sagt der Düsseldorfer Sportrechtler Dr. Marc-Oliver Rensing. „Ein Boykott ist nach Art. 84 ein klarer Verstoß, selbst wenn die Schiedsrichterentscheidung fragwürdig war.“
Marokko wiederum feiert sich als moralischer Sieger. „Wir haben nie die sportliche Leistung infrage gestellt, nur die Regeln durchgesetzt“, erklärt FRMF-Präsident Fouzi Lekjaa. Für die „Löwen der Atlas“ ist es der erste Titel seit 1976 – und das, obwohl sie auf dem Platz verloren.

Was senegal vor gericht bringen muss
Senegal will beweisen, dass die Unterbrechung „nur symbolisch“ war und keine Spielverweigerung vorlag. Sie berufen sich auf Protokollnotizen des vierten Offiziellen, die angeblich eine „Verhandlungspause“ attestieren. Doch die CAF hat längst Videoschnipsel an die FIFA geschickt, auf denen Mané deutlich „On ne joue pas!“ („Wir spielen nicht!“) ruft. Ein Satz, der vor dem Schweizer Tribunal wie ein Eigentor klingen könnte.
Die nächsten Monate entscheiden über den Stellenwert von Fairness und Protest im afrikanischen Fußball. Sollte der CAS das Urteil bestätigen, wäre es das erste Mal, dass ein Afrika-Cup-Sieger wegen Boykott-Taktik nachträglich degradiert wird. Für Senegal bleibt einzig die tröstliche Erkenntnis: Auf dem Rasen von Rabat haben sie gewonnen – nur nicht im Gerichtssaal von Lausanne.
