Sechs volleyball-pros, ein reihenhaus, ein playoff-traum: so lebt freiburgs geheime waffe

Ein Reihenhaus in der Stätte, sonst Kinderwagen und Spielecke, ist jetzt das Schlachtzelt der FT 1844 Freiburg. Sechs Spieler wohnen dort gemeinsam, grillen, spielen Golf an der Konsole, teilen eine Spülmaschine – und marschieren jeden Morgen im Tross zum Training. Timothy McIntosh, 28, Libero, Miami-Born, nennt das Zuhause „unseren unfair Vorteil“.

Keine wg, sondern ein kadersplitter

Ein Drittel des Teams lebt unter dem gleichen hellblauen Dach. McIntosh, Charles Figy (USA), Liam Kristjanson, Brendan Mills (Kanada) sowie Marco Frohberg und Karl Klehm (Deutschland) haben sich das Reihenhaus in einem grünen Freiburger Familienviertel zur Festung gemacht. Wer hier die Tür aufreißt, landet sofort in der Zone der gegenseitigen Erwartung: kein Mitbewohner, sondern Mitverantwortlicher. Mills, 2,03 m groß und trotzdem „Baby der Familie“, bringt den Kaffee, Kristjanson sortiert die Playlisten, McIntosh kocht – „nicht nur Pasta, sondern Ernährung mit Kalkül“, wie er betont.

Trainer Jakob Schönhagen spürt den Effekt. „Wenn einer auf dem Feld in die Krise rutscht, braucht er kein Motivationsvideo, er braucht nur einen Blick zur Tribüne – da steht schon sein Mitbewohner und erinnert ihn an den letzten Morgenlauf.“ Die Zahlen sprechen mit: In der vergangenen Saison stürmte Freiburg als Aufsteiger in die Playoffs, diesmal liegt die FT zwei Spiele vor Schluss auf Platz neun, nur einen Zähler hinter den WWK Volleys Herrsching. Samstag, 20 Uhr, Dyn-Halle: Ein klarer Heimsieg und der Playoff-Express rollt weiter.

Spülmaschine statt statistik

Spülmaschine statt statistik

Statt Analysten-Apps checkt hier die WG-WhatsApp den Spieltag. Wer zuletzt gespült hat, bestimmt, wer die Taktik-Bretter aufstellt. Die einzige Spülmaschine im Obergeschoss ist heilig, der Grill im Garten ein Schrein. „Wenn du weißt, dass dein Nebenmann abends dein Salatdressing rührt, trittst du am Netz nicht mit ihm in Konkurrenz – du addierst dich“, sagt McIntosh, der die Kultur schon vor zwei Jahren initiierte. Entstanden ist ein Mikrokosmos, der die Liga irritiert: Gegner diskutieren Taktik, Freiburg diskutiert, wer den Müll runterbringt – und gewinnt trotzdem.

Die Psychologin des Klubs, Dr. Leonie Berg, misst den Effekt seit Januar: „Gruppenkohäsion plus 34 Prozent, Konfliktbereitschaft minus 18 Prozent.“ Ihr Fazit: „Das ist kein Quereinsteiger-Trend, sondern ein Leistungsmodul.“ Die Spieler nennen es „Home-Court ohne Hallenbeleuchtung“.

Letzte hürde: dachau und die playoff-party

Letzte hürde: dachau und die playoff-party

Am Samstag geht es gegen Herrsching, danach folgt Dachau – ein vermeintlich leichter Gegner. Doch in der FT 1844-Zentrale schaut man nicht auf die Tabelle, sondern auf den Garten. „Wir haben schon Bier kühl gestellt und die Grillkohle liegt bereit“, verrät Frohberg. Die Playoff-Party ist geplant, doch die Einladung gilt nur, wenn zwei Siege folgen. McIntosh lacht: „Dann wird nicht gefeiert, weil wir es müssen – sondern weil wir es können.“

Die Liga schaut neugierig nach Freiburg. Kein Millionen-Budget, kein Superstar, nur ein Reihenhaus, sechs Typen und ein gemeinsamer Zähler auf der Anzeigetafel. Der Playoff-Traum lebt – und zwar in einer WG, in der schon das Frühstück ein Training für den Tiebreak ist.