Scrj lakers bannen zirkus honka – der vertrag läuft, der star sitzt
Julius Honka kauert im Hoodie auf der Tribüne, während seine Teamkameraden um jeden Punktefetzen kämpfen. Der Mann, der vor neun Monaten als Offensivwaffe angepriesen wurde, ist zum Geisterspieler degradiert – und das, obwohl sein Arbeitspapier bis 2027 gültig ist.
Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt
Der moment, als der trainer die reißleine zog
Johan Lundskog spricht nicht lange um den heißen Brei herum. „Verlässlichkeit schlägt Talent“, sagt er nach dem 4:2-Sieg gegen Langnau. Gemeint ist Honka, dessen Stickhandlings einst ganze Sektionen zum Jubeln brachten, aber eben auch jene Sperren und Strafzeiten, die Spiele kippen. Fünf Partien in Folge hat der Finne nicht mehr gespielt – keiner wagt zu behaupten, das liege an einer Verletzung.
Die Zahlen sind schonungslos. Sein letzter Einsatz: 13 Minuten Eiszeit, zwei Minuspunkte, eine Strafe wegen Slewfooting. Davor der Ellbogencheck gegen Bachofner, der ihn vorzeitig unter die Dusche schickte. Die Videos davon kursieren in WhatsApp-Gruppen der Fans – als Mahnung, nicht als Highlight.
Intern heißt es, Honka habe die Systemvorgaben „interpretiert statt umgesetzt“. Wo Larsson und Pilut sich in die Kettenbeine der Gegner legen, will Honka den Querpass ins Slot, den riskanten Doppelpass, die Showeinlage. Das funktioniert in der NHL, nicht in einer Liga, in der Punkte durch Disziplin gewonnen werden.

Ein körper voller talent, ein kopf voller fragezeichen
Die SCRJ Lakers sind inzwischen seine vierte Station innerhalb von drei Jahren. Das sagt mehr als alle Pressestatements. Agenten berichten, Honka suche ständig neue Herausforderungen – doch die Herausforderung heißt in Wahrheit: Anpassung. Er musste schon in Davos, schon in Bern lernen, dass Ego und Teamgeist selten im selben Dressingroom tanzen.
Lundskog hat das System verändert, ohne Honka zu fragen. Die Verteidiger sollen erst den Pass, dann den Schuss wählen – nicht umgekehrt. Honka tat beides gleichzeitig, landete in der Box. „Wir wollen keine Helden, wir wollen Punkte“, zitiert ihn ein Betreuer nach dem Training.
Die Kabine schweigt. Keiner stellt sich gegen den Coach, keiner wirbt öffentlich für Honka. Das ist kein Boykott, das ist schweizerische Effizienz: Wer stört, fliegt. Selbst der Vertrag bis 2027 schützt nicht vor der Bank.
Die Fans sind gespalten. Die einen rufen nach dem „Zirkus“, die anderen erinnern an die 14 Tore und 32 Punkte in der Vorsaison. Doch die Tore waren in September, die Sperren in November und Januar. Zeitfenster schließen sich schnell in dieser Liga.
Honka selbst trainiert weiter, lächelt für Fotos, unterschreibt Autogramme. Aber wer genau hinsieht, entdeckt die versteckte Geste: nach jedem Tor der Lakers klatscht er eine Sekunde zu spät. Ein kleiner Protest, kaum sichtbar, doch messbar.
Die Play-ins sind sicher, Rang sechs noch in Reichweite. Lundskog wird nicht mehr wechseln. Wer in der heißen Phase außen vor ist, bleibt draußen – das haben schon Größere erfahren. Honka wird mit der Farmmannschaft trainieren, im Sommer winkt vielleicht ein Trade, vielleicht auch nur die nächste Tribüne.
Am Ende bleibt die nüchterne Erkenntnis: Ein Vertrag ist nur Papier, die Eiszeit ist Realität. Und die Uhr tickt – für den Klub, der Punkte braucht, und für den Spieler, der beweisen muss, dass er mehr ist als ein Highlight-Reel. Die Lakers fahren ohne ihn nach vorne – und das ist die bitterste Pointe dieser Geschichte.
