Eine hundertstel trennt aicher vom vierten saisonsieg
Val di Fassa, 6. März 2026: Emma Aicher rast die Piste hinunter, kämpft um jeden Zentimeter – und verliert den Sieg gegen Laura Pirovano um genau 0,01 Sekunden. Eine einzige Hundertstel. Die Breite eines Fingernagels. Das ist der Abstand, der die 22-Jährige vom vierten Weltcupsieg dieser Saison trennte.
Kurz vor der ziellinie bricht der vorsprung weg
Auf dem vergleichsweise flachen und nicht allzu anspruchsvollen Kurs in den Dolomiten hatte Aicher lange alles im Griff. Doch auf den letzten Metern fehlte ihr der entscheidende Schub – der Speed brach ein, und Pirovano zog mit einem Wimpernschlag Vorsprung ins Ziel. Für die Italienerin war es der erste Weltcupsieg der Karriere, auf heimischem Boden, vor eigenem Publikum. Romantischer geht es kaum.
Bitter für Aicher – aber nur auf den ersten Blick. Denn 80 Weltcuppunkte für Rang zwei sind eine solide Ausbeute. Und die eigentliche Geschichte dieser Saison wird ohnehin woanders geschrieben.

Die kleine kristallkugel liegt zum greifen nah
Lindsey Vonn führt die Abfahrtswertung noch mit 400 Punkten an. Aber Vonn verletzte sich schwer – vor und bei den Olympischen Spielen – und ist faktisch aus dem Rennen. Aichers Rückstand beträgt nur noch 14 Punkte. Bei zwei noch ausstehenden Abfahrten, am Samstag wieder in Val di Fassa und beim Weltcupfinale am 21. März in Kvitfjell, reicht ihr ein solides Ergebnis, um die Disziplinwertung zu gewinnen.
Die Konkurrenz? Überschaubar. Pirovano liegt mit 336 Punkten auf Rang drei, hat aber bereits 64 Zähler Rückstand auf Aicher. Sofia Goggia verabschiedete sich nach einem schwachen Freitag endgültig aus dem Titelkampf. Bleibt noch eine ernsthafte Rivalin: Kira Weidle-Winkelmann.

Weidle-winkelmann zeigt sich in starker verfassung
Die 30-Jährige lieferte in Val di Fassa eine bemerkenswerte Fahrt ab. Mit Startnummer sieben übernahm sie zunächst die Führung, jubelte im Zielraum – doch die Leaderbox musste sie räumen, als Pirovano unmittelbar nach ihr ins Ziel kam. Am Ende belegte Weidle-Winkelmann Rang vier, nur 0,32 Sekunden hinter der Siegerin. Nur Olympiasiegerin Breezy Johnson war zwischen ihr und dem Podium schneller.
50 Weltcuppunkte bedeuten für Weidle-Winkelmann jetzt 306 Zähler in der Abfahrtswertung – 80 Punkte hinter ihrer DSV-Kollegin Aicher. Theoretisch ist der Kampf noch offen. Praktisch müsste schon einiges schiefgehen.

Der gesamtweltcup: aicher greift auch dort an
Im Gesamtweltcup hat Aicher inzwischen Rang zwei übernommen. Der Rückstand auf Mikaela Schiffrin beträgt 139 Punkte – viel, aber nicht unmöglich. Schon am Samstag könnte Aicher mit einem Sieg und einem schwachen Ergebnis von Pirovano die Abfahrts-Kristallkugel einheimsen. Dann wäre das Wochenende trotz des hauchdünnen Verlustes vom Freitag ein voller Erfolg.
Eine Hundertstel hat Aicher den Sieg gekostet. Die Saison aber gehört ihr noch lange nicht der Vergangenheit an – sie läuft ihr gerade entgegen.
