Scl tigers räumen auf: pesonen weint, vier weitere stars fliegen raus

0:2 gegen die ZSC Lions, Tränen statt Play-offs: Die SCL Tigers haben ihre Saison mit einer Heimpleite vor 7 032 Fans beerdigt. Jetzt schlägt Langnau die Abrissbirne an. Harri Pesonen, 34, Maskottchen und Topskorer, wurde nach der Schlusssirene auf dem Eis in Tränen aufgelöst verabschiedet. Die Nordkurve sang sich heiser – und bekam Minuten später die Rechnung präsentiert.

Claude paschoud, timo jenni, joshua fahrni: das trio folgt pesonen zur ausgangstür

Der Club bestätigt, dass am Samstag beim Saisonabschluss im Ilfisstadion drei weitere Gesichter fehlen werden. Paschoud, 31, galt als möglicher Nachfolger von Captain Eric Blum, doch seine Zahlen (3 Tore, 11 Assists) überzeugten nicht. Jenni und Fahrni, beide 25, sollen jüngere, günstigere Kräfte Platz machen. Die Botschaft: Kein Platz für Sentiment, nur für Excel-Tabellen.

Die größere Bombe zündet hinter der Bande. Jukka Varmanen, Assistenztrainer und Olympia-Bronzegewinner von Mailand, verlässt nach vier Jahren die Tigers. Der 46-Jährige galt als Architekt des Powerplays – das in dieser Saison nur 17,4 % Trefferquote brachte, Rang 11 der National League. Mit ihm geht auch Pär Arlbrandt, erst im Dezember als Offensiv-Coach verpflichtet. Ein halbes Jahr später ist Schluss. Sportchef Reto Kläy kommentiert lapidar: „Wir brauchen neue Impulse, nicht neue Gesichter.“

Die rechnung nach dem play-out-debakel

Die rechnung nach dem play-out-debakel

Die Tigers verpassten die Play-offs als Tabellen-Elfter, kassierten 189 Gegentore – nur der SC Bern war schlechter. Das Budget von 11,5 Millionen Franken schmolz, trotz höherer TV-Einnahmen. Die Fan-Quote brach auf 6 847 Zuschauer pro Heimspiel ein, Tiefstwert seit 2009. Jetzt muss Kläy rund 3,5 Millionen Gehaltsbudget neu verteilen. Die Abgänge sparen geschätzte 2,1 Millionen – genug, um zwei Top-Imports und ein Dutzend Nachwuchsspieler zu finanzieren.

Die Fans fordern auf Social Media einen kompletten Neustart. Kläy aber setzt auf Kontinuität: Head-Coach Kevin Schläpfer bleibt, sein Vertrag läuft bis 2026. Die Frage ist nur: mit wem soll er arbeiten? Die Talentschmiede in Langnau gilt als bestens, doch die letzten Jahrgänge schafften kaum den Sprung in die NL. Die nächste Saison droht, bevor diese beginnt, zum Vertrauensvorschuss zu werden.

Am Samstag hebt die Band „Oberländer Jodler“ zum letzten Mal an – danach wird abgerissen. Die Tigers haben 147 Tage Sommerpause, um ein neues Gesicht zu finden. Die Uhr tickt lauter als die Sirene am Montagabend.