Schweiz schockt kanada: debüt-coup holt gold in calgary
Die Schweiz hat Kanada in dessen eigenem Wohnzimmer ausgebremst. Xenia Schwaller schob den letzten Stein ins Haus, die rote Anzeige sprang auf 7:5 – und Calgarys Arena verstummte für eine Sekunde, bevor 20 Schweizer-Fans die Bank zum Einsturz brüllten.
Keine anfänger, nur keine geschichte
Schwaller, 23, trat als Skip erstmals bei einer WM an. Sie verließ das Eis als Weltmeisterin. Der Verband hatte Silvana Tirinzoni pass gemacht, der Routinier mit dem Olympiasilber, und der jungen Wildcard vertraut. Das Risiko schlug in Gold auf. „Wir haben vor drei Jahren in der Jugend gegeneinander gespielt, heute halten wir den Pokal“, sagte Schwaller, während ihre Teamkolleginnen Selina Rychiger, Fabienne Rieder und Selina Gafner sich an ihr festhielten, als würde jemand versuchen, sie aufzuwecken.
Die Zahlen sind schon fast unanständig: elf Siege in der Gruppenphase, nur ein einziger Satz abgegeben, dann Olympia-Gewinner Schweden im Halbfinale weggewischt und zuletzt das kanadische Dream-Team um Rachel Homan, das vor eigenem Publikum eigentlich nur die Krönung einläuten wollte. Stattdessen kassierte Kanada die erste Finalniederlage seit 2015 – und muss nun erklären, wie eine Nation mit 1,4 Millionen registrierten Curlern gegen vier Bernerinnen verlor, die sich vor dem Turnier noch per Zoom die Haare färbten.

Der stein, der die kanadier zersplitterte
Die Entscheidung fiel im achten End. Schwaller lag mit einem Punkt vorne, hatte jedoch das letzte Hammer-Spiel. Kanada lag zwei Steine in der Mitte, die Schweiz musste perfekt mauern. Schwaller entschied sich für ein Raise-Take-Out – ein Schuss, der entweder die Partie beendet oder die Kanadier wieder einlädt. Ihr Stein traf den Gegner millimetergenau, rollte ins Button und blieb liegen. 7:5. Die kanadische Kapitänin Homan starrte die Anzeige an, als hätte jemand ihre Sprache gelöscht.
Das Schweizer Quartett gewann damit das erste Gold für sein Land seit 2012 – und das erste überhaupt ohne Tirinzoni an der Spitze. Der Verband hatte vor zwölf Monaten die Generationsfrage gestellt, jetzt lautet die Antwort: Die neue Generation ist schon da, sie trägt nur noch keine Kratzer.
Schweden sicherte sich Bronze gegen Japan mit 8:5 und reist mit Medaille und leerer Batterie nach Hause. Die Schweiz hingen sich in Flaggen, sangen im Bus ein Lied, das kein Kanadier verstand, und buchten den ersten Flug nach Zürich. In Calgary bleibt ein Eis, das künftig als ‚Schwaller-Rink‘ firmiert – eine Reminder daran, dass man Debütantinnen nicht nach dem Pass, sondern nach dem Arm bewerten sollte.
