Schweden spielt sich aus der blamage – gyökeres will lewandowski den traum zerstören

Null Siege, Gruppenletzter, trotzdem 90 Minuten vom Traum entfernt: Schweden hat sich Dienstagabend gegen Polen die kosmische Chance erzwungen, die peinlichste Quali-Saison der eigenen Geschichte mit einem WM-Ticket zu belohnen. Der Schützenkönig heißt Viktor Gyökeres, der gegen die Ukraine binnen 180 Sekunden ein Triple schoss und jetzt auf Robert Lewandowski zuläuft – 37 Jahre, möglicher letzter WM-Auftritt, dafür umso hungriger.

Die nations league rettete das humbug-team

Die FIFA hat das Turnier auf 48 Teams aufgeblasen, die Playoffs gewähren auch Gruppensiegern der C-Liga ein Ticket. Schweden profitierte von der Regelung wie kaum eine andere Nation. 16 Punkte gegen Slowakei, Estland und Aserbaidschan – das reichte, um als bester Gruppensieger zu landen und die Hintertür aufzureißen, nachdem die reguläre Quali mit zwei Remis und vier Niederlagen fürchterlich verpatzt war.

Die Folge: Trainer Graham Potter darf weiter planen, die Boulevardpresse schreibt von einer „Wiedergeburt in 90 Minuten“ und Innenverteidiger Carl Starfelt spricht offen von einer „Achterbahn aus Enttäuschung und Hoffnung“. Der 3:1-Sieg gegen die Ukraine war mehr als ein Ergebnis – er war ein emotionales Schwebezustand, der ganzen Nation die Rückkehr auf die große Bühne nach 2018 verspricht.

Gyökeres vs. lewandowski – ein duell mit folgen

Gyökeres vs. lewandowski – ein duell mit folgen

Ohne Alexander Isak fällt das Offensivgewicht ganz auf Gyökeres. Der 26-Jährige war in der Qualifikation noch trefflos, schoss in der Nations League aber neun Mal und bewies damit Lust auf Großereignisse. Gegen Polen erwartet ihn Lewandowski, der 82 Länderspieltreffer auf dem Konto hat und mit Barça gerade die Champions-League-K.o.-Phase dominierte. Die Frage lautet nicht, wer besser ist – die Frage lautet, wer an diesem Abend das bessere Kämpferherz zeigt.

Die Schweden haben mit Lewandowski noch eine Rechnung offen. 2022 entschied er das Playoff-Hinspiel mit einem Traumtor zum 2:0, Polen fuhr zur WM, Schweden blieb zuhause. Gyökeres will dieses Mal der Partycrasher sein: „Warum sollte ich das nicht wiederholen?“ sagt er und grinst dabei wie ein Kind, das gerade erfahren hat, dass die Schule ausfällt.

Wer gewinnt, landet in Gruppe F gegen die Niederlande, Japan und Tunesien – ein vermeintlich machbares Programm. Für Polen wäre es die achte WM-Teilnahme in Folge, für Schweden die Rückkehr ins Rampenlicht nach acht Jahren Ausnahmezustand. Die Buchmacher sehen Polen leicht vorn, die Stimmung im Freundschaftscamp der Schweden aber ist so gelöst, als hätte man bereits den Pokal im Koffer.

Die UEFA schätzt, dass 2,3 Millionen Schweden vor den Bildschirmen sitzen werden – bei zehn Millionen Einwohnern eine Quote, die selbst der Eurovision Song Contest selten erreicht. Die Bilanz des Abends: entweder wird Lewandowski zur lebenden Legende gekürt oder Gyökeres schreibt sich mit einem Triple ins Geschichtsbuch der skandinavischen Fußballmythen. Eines ist klar: Nach dem Schlusspfiff wird die eine Seite jubeln, die andere den Kopf schütteln – und die WM bekommt ein Stück Theater, das man sich besser nicht entgehen lassen sollte.