Schwartz rettet münster: disziplin, teamgeist, siegeswille
Alois Schwartz stapfte mit kariertem Hemd und zerknitterter Stimme vor die Mikros – kein Blick wirkt momentan so müde wie der des neuen Preußen-Coaches. Sein Verein liegt auf dem letzten Tabellenplatz der 2. Bundesliga, der Test gegen TSV Havelse ging trotz Feldüberlegenheit 0:1 verloren, und die Saison rattert mit Vollgas Richtung Abstieg. Doch der 59-Jährige stemmt sich dagegen. Mit nur drei Begriffen.
Disziplin, teamgeist, siegeswille – das gebot der stunde
Schwartz spricht nicht vom „Spielphilosophie-Update“ oder vom „neuen System“. Für ihn zählt nüchternes Handwerk. „Wir müssen jetzt einfach Tore machen, wenn wir sie kriegen“, sagt er knapp und meint damit jene Szenen wie in der ersten Halbzeit gegen Havelse, als Münster dreimal frei vor dem Keeper auftauchte und dreimal zögerte. Die letzten 30 Minuten des Testspiels dagegen „waren nicht gut. Je länger das Spiel ging, desto mehr hat sich der Kopf eingeschaltet.“
Genau dieser Kopf ist es, den Schwartz zuerst freikriegt. Die Spieler bekamen ein verlängertes Wochenende, keine Extrageschichten, keine Schuldzuweisungen. Stattdessen Analyse. „Viele kleine Dinge“, so der Coach, „lösen sich einfacher, wenn wir sie benennen.“ Gemeint ist die ruhelose Innenverteidigung, die 41 Gegentore kassierte, gemeint ist das fehlende Zuspiel in die Spitze, das Münster in 28 Partien auf magere 29 Tore kam.

Barcelona-vergleiche ad acta – jetzt zählt die tabelle
Noch vor einem halben Jahr schmunzelten Fans über das kombinationsstarke Kurzpass-Spiel unter Alexander Ende. Heute lacht niemand. Die Elf, einst wegen Ballbesitzbesessenheit mit Barça verglichen, besitzt aktuell nur noch eine Konstante: den Abstiegsplatz. „Alexander Ende hat anders gespielt, ja. Das meine ich aber gar nicht wertend“, betont Schwartz. Er schwärmt nicht von Ballkontrolldauern, sondern von Zweikampfquoten und Standards.
Weil der Gegner in Kiel gleich am kommenden Sonntag wartet, reduziert er die Lage auf harte Zahlen: sieben Klubs hängen laut seiner Analyse noch im Strudel, vom FC St. Pauli bis Dynamo Dresden. Dazwischen Münster, punktgleich mit dem Vorletzten, aber das schlechteste Torverhältnis. „Der Strich verläuft zwischen Dresden und Düsseldorf“, sagt er, und klingt dabei wie ein Mathematiker, der weiß, dass eine Differenz von drei Punkten alles sein kann.

Restprogramm liefert direktes finale
Die Rückrunde schenkt dem SCP drei echte Endspiele: Kiel (Auswärts), Dresden (Heim) und Magdeburg (Auswärts). Alles Teams, die ebenfalls unten mitmischen. Schwartz sieht darin kein Schicksal, sondern eine Chance. „Wenn wir die Dreier holen, liegt es an uns.“ Und genau darum geht es ihm: Kontrolle. Keine leeren Phrasen, kein tiki-taka-Spleen, sondern „Disziplin auf und neben dem Platz“, „Teamgeist, der Schwächen akzeptiert“, und ein „unbedingter Siegeswille, den ich sehen will“.
Kurz vor Ende des Interviews rutscht ihm ein Satz heraus, der wie ein Mantra klingt: „Wir müssen die Klasse halten, das ist alles.“ Kein Pathos, kein Neuanfang aus dem marketingwirksamen PR-Baukasten. Alois Schwartz bietet schlicht Überleben. Und wenn die Spieler sein Rezept Disziplin-Teamgeist-Siegeswille genauso konsequent umsetzen wie der Trainer selbst, hätte Preußen Münster vielleicht doch noch das letzte Wort in dieser verrückten Saison.
