Schuster trifft seinen enkel: river-plate-bubi sami spielt u12-wm in madrid

Ein Mann, der einst das Bernabéu bebte, stand plötzlich stocksteil im Estadio de la Ciudad del Fútbol. Bernd Schuster, 64, Ex-Star von Real Madrid, Barça und Atlético, hatte 12 Jahre lang nur einen Fernsehbildschirm zwischen sich und seinem Enkel. Gestern schob Sami, Mittelfeld-Juwel von River Plate, den Ball kurz vor dem Anpfiff zur Ecke – und lief direkt in die Arme des Großvaters, den er noch nie live gesehen hatte.

Warum das erste „hola, opa“ erst jetzt fällt

Die Geschichte klingt wie ein Drehbuch, aber sie ist Liga-alltäglich: Rebecca, Schusters Tochter und selbst ehemalige Profifußballerin, lernte 2008 in Santiago de Chile den argentinischen Kicker Juan Carlos Maldonado kennen. Liebe, Heirat, Umzug nach Buenos Aires – die Familie wuchs, der Kontakt nach Europa verlief. Zoom und WhatsApp ersetzten den Kurzpass, doch die 10.000 Kilometer blieben. „Wir haben Sami nur im Stream gesehen, im Trick-Trikot von River“, sagt Schuster, „da war er schon Kapitän der 2014er-Jahrgänge.“

Die U12-Club-WM, aus der Taufe gehoben von LaLiga und der Stiftung des spanischen Radioreporters José Ramón de la Morena, war der willkommene Vorwand für eine familiäre Druckwelle. 48 Teams aus fünf Kontinenten, darunter Bayern München, Benfica und eben River Plate, duellieren sich bis Sonntag um den Titel – und ganz nebenbei um Großvaters Herz.

Del bosque und camacho an der seitenlinie – schuster mit taktikplan für seinen stamm

Del bosque und camacho an der seitenlinie – schuster mit taktikplan für seinen stamm

Vor der offiziellen Eröffnung gab’s ein Showspiel: Spanien-Allstars gegen „Rest der Welt“. Vicente del Bosque und José Antonio Camacho schwenkten die Spanien-Fähnchen, während Schuster – plötzlich wieder Chefcoach – die internationale Truppe kommandierte. Sein Enkel spielte Zehner, dirigierte, schoss das 1:0. „Er tickt wie ich, nur schneller“, lacht der Deutsche und verrät, dass Sami schon Spanisch rollt wie ein Madrilenier. River-Analysten schicken wöchentlich Videos nach Madrid, um seine Entwicklung zu dokumentieren. Ein Scout des FC Barcelona sahm gestern mit.

Die Begegnung dauerte 70 Minuten, die Nachspielzeit wird länger. Schuster hat sich eine Woche freigemacht, will Sami beim Torwart-Training zusehen, ihm die Drehbewegung des Innenrist beibringen und mit ihm das Chapultepec-Park-Kunstrasen besuchen, wo einst auch Diego Maradona kickte. „Wenn er später für Deutschland oder Argentinien aufläuft, ist mir egal – Hauptsache er bleibt gesund und spielt mit dem Kopf“, sagt der Ex-Profi, der selbst zwischen DFB und Spaniern schwankte.

Die Trophäe der U12-WM mag in sieben Tagen vergeben sein, doch Sami hat seinen Pokal schon gekürt: einen Opa, der ihm die Trikots seiner Karriere schenkt – und einen Platz im River-Kader, der ihm erlaubt, künftig öfter als einmal pro Jahrzahn Europa zu besuchen. Für Bernd Schuster endet eine Epoche der Pixel-Fernbeziehung und beginnt eine neue, in der er endlich live jubeln kann – nicht nur, wenn der Ball im Netz zappelt, sondern wenn sein Enkel nach dem Spiel durch die Kabinentür stürmt und auf Deutsch-Spanisch ruft: „Opa, ich hab dir ein Tor gemacht!