Schrader schießt deutschland mit vier toren zum paralympic-sensationssieg

20 Jahre hat Deutschland auf diesen Augenblick gewartet. Jetzt ist er da – und er trägt das Gesicht von Felix Schrader. Vier Tore in einem einzigen Spiel, ein spätes Comeback, ein Sieg in der Verlängerung: Die deutsche Sledge-Hockey-Auswahl schlägt die Slowakei 4:3 und jagt den ganzen Pelkum, ja das ganze Land, in einen Freudentaumel.

Jörg wedde und seine jungs schreiben märchen

Die Niederlagen gegen Tschechien, Italien und Korea? Sowas von egal. Die Tränen nach dem 0:5 gegen Kanada? Verwischt. Was zählt, ist das Jetzt. Und das Jetzt riecht nach Eis, Schweiß und einem Platz unter den besten Fünf der Welt. „Wir haben unseren Stolz wiederbelebt“, sagt Fahnenträger Jörg Wedde, noch atemlos, nachdem er die Kabine verlassen hat. Die Stimme bricht ihm weg – nicht vor Kälte, sondern vor purem Adrenalin.

Die Slowakei ging in der 29. Minute sogar mit 3:2 in Führung. Die deutsche Bank verstummte. Da stand Schrader auf, schnürte seine Handschuhe neu und murmelte: „Jetzt reicht’s.“ In der 42. Minute traf er zum 3:3, in der 52. Minute tanzt er alleine durchs slowakische Drittel, legt sich den Puck zwischen die Kufen und netzt zum Siegtreffer. Die Uhr zeigt 52:13. Die deutsche Bank explodiert. Die Slowaken sinken aufs Eis, als hätte man ihnen die Luft abgedreht.

Historischer vergleich: 2006 in turin war gestern

Historischer vergleich: 2006 in turin war gestern

2006, Turin, vierter Platz – das war die bisher beste Platzierung. Doch was damals eine Sensation war, wirkt heute wie eine Fußnote. Dieses Team spielt nicht für Statistiken, sondern für den Mythos. Bundestrainer Peter Willmann hatte vor dem Turnier gesagt: „Wir wollen zeigen, dass wir mehr sind als ein Gastgeber-Land mit gutem Willen.“ Glauben musste er das selbst erst, als Schrader den Puck zum vierten Mal versenkte.

Am Samstag, 16:05 Uhr, steht das Finale um Platz fünf an – Gegner entweder Japan oder Italien. Gegen die Azzurri gab es in der Vorrunde eine knappe 1:2-Niederlage. Die Italiener kennen die deutsche Spielweise, aber sie kennen noch nicht den Schrader, der sich nach eigenen Worten „noch ein paar Tricks“ für das letzte Spiel aufhebt.

Die Zahlen sind verrückt: Schrader steht bei fünf Turniertreffern – alle in einem einzigen Spiel. Kein anderer Spieler hat öfter getroffen. Die Quote: vier von neun deutschen Toren tragen seine Handschrift. Die Botschaft: Wer Deutschland unterschätzt, kassiert vier Gegentore und fliegt raus.

Die Busfahrt zurück ins Olympische Dorf dauert 23 Minuten. Die Spieler singen alte Schlager, wedeln mit Fahnen, trinken kalten Tee. Sie wissen: Das Märchen ist noch nicht zu Ende. Und wenn Schrader am Samstag wieder aufläuft, wird die Slowakei von drüben zusehen – und vielleicht denken: Diesmal hätten wir besser zu Hause bleiben sollen.