Schöningen: aufsteiger feiert überraschungssieg – und verurteilt rassismus!

Die FSV Schöningen hat im Abstiegskampf der Regionalliga Nord einen wichtigen Schritt gemacht. Nach einem turbulenten Doppelwochenende mit Niederlage gegen den Tabellenführer und dem überraschenden Sieg gegen Hannover II steht die Mannschaft besser da als je zuvor. Doch der Jubel wird von einem traurigen Zwischenfall überschattet.

Lob vom gegner und bittere erkenntnisse

Die Leistung gegen Hannover II war beeindruckend, so viel steht fest. Karsten Kräcker, Präsident der FSV Schöningen, berichtet von den Worten des Sportlichen Leiters der 96er: „Das war von euch wie ein gestandener Regionalligist.“ Das Kompliment eines Mannes mit Erfahrung wie Achim Sarstedt, der im deutschen Fußball schon viel gesehen hat – 16 Jahre als Co-Trainer bei Freiburg, sechs Jahre in der Nachwuchsabteilung von Wolfsburg, nun Sportchef bei Hannover 96 – schmeichelt natürlich ungemein. Aber der Sieg, der mit 3:1 errungen wurde, steht im krassen Gegensatz zu der 0:1-Niederlage am Gründonnerstag gegen den SV Meppen. Ein doppelter Spieltag, der die Mannschaft vor eine enorme Herausforderung gestellt hat.

Kräcker, der das Spiel gegen Meppen zwiespältig beurteilt, betont: „Fußball ist kein Eiskunstlauf. Da gibt es keine Haltungsnoten, sondern du hast verloren.“ Trotzdem, so Kräcker, habe man „das Herz auf dem Platz gelassen“ und gegen den Tabellenführer „sogar einen Punkt mitnehmen können.“ Die Atmosphäre im Elm-Stadion war jedenfalls herausragend, mit über 1500 Zuschauern ein Rekord für Schöningen. Nur am Sonntag waren es „nur“ noch rund 500 Zuschauer, was Kräcker dem schlechten Wetter schuldet.

Rassistischer spott: fan wird aus der kurve geflogen

Rassistischer spott: fan wird aus der kurve geflogen

Doch der Sieg gegen Hannover wurde von einem dunklen Kapitel überschattet. Während des Spiels kam es zu einem Wortgefecht zwischen einem Zuschauer und Montell Ndikom von Hannover. Dabei soll der Schöninger Fan sich rassistischer Äußerungen schuldig gemacht haben. Die FSV Schöningen reagierte umgehend und distanzierte sich in einer offiziellen Stellungnahme von dem Vorfall. Der betreffende Fan wurde aufgefordert, das Stadion zu verlassen, woraufhin alle Spieler und Zuschauer applaudierten. Ein trauriger Beweis dafür, dass der Kampf gegen Rassismus im Fußball noch lange nicht gewonnen ist.

Konzentration und kampfgeist gefragt

Konzentration und kampfgeist gefragt

Trainer Christian Benbennek fordert nun von seiner Mannschaft absolute Konzentration und Engagement für die kommenden Spiele gegen Altona, Lohne und Norderstedt – direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. „Das sind drei extrem wichtige Spiele, wenn du die ziehst für dich oder nicht verlierst, dann hast du eine Top-Ausgangssituation“, so Benbennek. Angesichts der relativ alten Mannschaft und der hohen Belastung, die durch die englischen Wochen entsteht, mahnt er: „Wir haben zwar Profi-Erfahrung in unseren Reihen, aber unter diesen Bedingungen sind wir keine Profi-Mannschaft.“

Die FSV Schöningen hat bewiesen, dass sie zur Regionalliga Nord gehört. Doch die Aufgabe ist noch nicht erledigt. Mit 110 Prozent Konzentration und unbändigem Willen kann die Mannschaft den Klassenerhalt tatsächlich sichern und den nächsten Schritt zu einem gestandenen Regionalligisten gehen. Der Weg ist steinig, aber das Team ist hungrig und bereit, den Kampf aufzunehmen.