Schluroff schleudert bremen in ekstase: dhb-team erlegt ägypten mit 41:38

Die Stadthalle bebt. 41:38 steht es auf der Anzeigentafel, und Miro Schluroff hat gerade die Schluroff-Schleuder wieder einmal aufgedreht. Drei Tage nach dem spektakulären Sieg in Dortmund wiederholen die deutschen Handballer den Trick – diesmal vor heimischem Publikum, diesmal mit dem Bremer Jung als Locomotive.

Alfred gislasson findet trotz sieg klare worte

„Wir haben vorne eine Show abgeliefert, hinten aber ein offenes Tor betrieben“, sagt Alfred Gislasson mit kroatem Akzent und runzelnder Stirn. 38 Gegentore gegen einen Afrika-Meister sind für den isländischen DHB-Coach zu viel des Guten. „Das reicht gegen Dänemark nicht“, spielt er auf das EM-Finale an, das Deutschlands Traum von der Krone noch vor Weihnachten zerplatzte.

Doch Bremen will feiern. 5.400 Zuschauer pfeifen, als Schluroff nach dem Abpfiff die Hand hebt – nicht zur Geste, sondern weil das Mikrofon des NDR ihn einfängt. „Megacool“, sagt er und klingt dabei wie ein Jugendlicher, der gerade sein erstes Auto bekommen hat. Für ihn ist dieses Spiel mehr als ein Test. Es ist Heimspiel, Familienblock, Schulterkloppen vom Vater, der einst für Werder kickte.

Die „schluroff-schleuder“ wird zur waffe der nächsten generation

Die „schluroff-schleuder“ wird zur waffe der nächsten generation

Sein Wurfarm ist längst Kult. Bei der EM schraubte er neun Tore gegen Norwegen rein, am Donnerstag gegen Ägypten wieder sieben. Der Rechtsaußen zieht den Ball aus der Hüfte, so flach, dass er fast den Boden streift, so hart, dass Torwart Mohamed Aly ihn nur noch riecht. „Wenn er trifft, zieht sich die Halle zusammen wie ein Fischernetz“, sagt Gislasson und grinst trotz allem.

Die WM 2027 rückt näher. Deutschland wird Gastgeber, und der Bund will nicht nur Vorrunden, sondern das Endspiel. Dafür muss die Abwehr stabil werden. Gislasson testet daher Julian Köster als linken Sprungwerfer und bringt Luca Witzke auf der Mittelposition, um die Staffelung zu verengen. Die erste Halbzeit zeigt: Es funktioniert halbwegs, 18:16 zur Pause. Nach dem Seitenwechsel lässt Ägypten seine 3-2-1-Variante mit Rückkehrer Yahia Omar aufleben, doch Schluroff kontert mit zwei Kontern in Serie – 27:22, Spiel gedreht.

Bremen wird zur handball-hochburg – zuminzt für einen nachmittag

Bremen wird zur handball-hochburg – zuminzt für einen nachmittag

Die Hansestadt ist kein Handball-Urgestein, doch der Norden spürt den Hype. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Video, wie Schluroff nach seiner Siebenmeter-Entscheidung direkt in die Kurve läuft und mit einem Fan ein Selfie schießt – Maske runter, Tränen hoch. „Ich habe hier in der Halle gelernt, dass man schreien muss, wenn man gehört werden will“, sagt er. Die Botschaft: Die nächste Generation will nicht nur mitspielen, sondern dominieren.

Die Zahl des Tages: 41 Tore – so viele wie zuletzt 2017 gegen Island. Die Frage danach: Wer bremst Schluroff? Gislasson lacht trocken: „Erstmal muss er selbst bremsen, wenn er wieder nach Hause fährt.“ Denn am Montag geht’s nach Hamburg, dann Leipzig, dann ins Trainingslager nach Graz. 14 Monate noch, dann ist WM. Bis dahin darf kein Tor mehr zu viel fallen. Bremen jedenfalls ist bereit – und Schluroff auch.