Schlotterbeck: pfeifkonzert und das anton-schicksal drohen?

Borussia Dortmund und sein Publikum – eine Beziehung, die normalerweise von Leidenschaft und bedingungsloser Unterstützung geprägt ist. Doch am Mittwochabend herrschte eine beklemmende Stimmung im Signal Iduna Park. Nico Schlotterbeck, eigentlich gefeiert, erntete stattdessen Pfiffe. Ein Vorgeschmack auf ein mögliches Szenario, das dem BVB-Innenverteidiger bereits einem seiner Teamkollegen widerfahren ist.

Die vertragsverlängerung mit ausstiegsklausel: ein katalysator für unmut

Der Hintergrund der Unzufriedenheit ist komplex. Nicht nur das Zögern bei der Vertragsverlängerung, sondern vor allem die beinhaltete Ausstiegsklausel ab Sommer haben die Fans verärgert. Es ist das übliche Business, ja, aber beim BVB, wo die Bindung zwischen Verein und Anhängern traditionell besonders eng ist, wirkt es wie ein Verrat. Die Frage, die sich nun stellt: Wird Schlotterbeck das gleiche Schicksal wie Waldemar Anton erleiden?

Fredi Bobic, ehemaliger Fußballfunktionär und aktueller Leiter von Legia Warschau, brachte die Situation im „Sport1-Doppelpass“ auf den Punkt. Er erinnerte an den Fall Anton, der ebenfalls seinen Vertrag beim VfB Stuttgart vorzeitig verlängerte, nur um wenige Monate später in Dortmund zu landen. „Auch der BVB hat das schon genutzt“, so Bobic. Die Parallele ist frappierend: Beide Spieler verlängerten ihre Verträge, um kurz darauf zu einem anderen Verein zu wechseln. Der feine Unterschied: Anton wurde von den Stuttgart-Fans ausgebuht, Schlotterbeck bereits in Dortmund, obwohl er noch im Trikot der Borussia spielt.

Oliver Müller, Sport1-Reporter, ergänzte: „Die Fans sind natürlich nicht dumm. Die wissen, wie das Business läuft.“ Doch die Geschwindigkeit, mit der sich die Situation zuspitzt, ist besorgniserregend. Schlotterbeck scheint, ähnlich wie Anton, in eine Situation geraten zu sein, in der sein Wort wenig Gewicht hat.

Schlotterbecks aussage: ein titelgewinn als stolperstein?

Schlotterbecks aussage: ein titelgewinn als stolperstein?

Besonders brisant ist die Aussage Schlotterbecks im Zuge seiner Vertragsverlängerung: „Mein Ziel ist es, gemeinsam mit Borussia Dortmund Titel zu gewinnen.“ Dieser Satz, so Müller, könnte ihm nun auf die Füße fallen. Wenn Schlotterbeck tatsächlich den Wunsch hat, mit Dortmund Titel zu holen, wäre ein Abgang im Sommer ein deutliches Zeichen des gebrochenen Versprechens. Sedlbauer warnt: „Sonst blüht ihm das Anton-Schicksal.“

Die BVB-Verantwortlichen scheinen die Situation ebenfalls zu nehmen, wie sie kommt. Auffällig ist, dass die Vertragsverlängerung von Schlotterbeck medial nicht so stark gewürdigt wird, wie es üblicherweise der Fall wäre. „Ich sehe relativ wenig Content. Und auch das obligatorische Foto mit den Verantwortlichen und Schlotterbeck sowie dem Trikot mit der Zahl 2031 fehlt“, bemerkt Sedlbauer. Ein weiteres Indiz dafür, dass im Verein nicht unbedingt mit einer langen und glücklichen Zusammenarbeit gerechnet wird.

Obwohl die Experten davon ausgehen, dass Schlotterbeck zumindest bis zur WM in Dortmund bleiben wird, schätzen sie ein, dass er größere Ambitionen hegt. „Für ihn gibt es auf jeden Fall noch etwas Größeres in seiner Karriere als Dortmund. Das ist klar. Und wenn sich eine einmalige Gelegenheit auftut, will er sie nutzen“, so Sedlbauer. Die Frage ist, ob der BVB diesen Balanceakt zwischen dem Wunsch des Spielers nach sportlicher Weiterentwicklung und den Erwartungen seiner treuen Fans meistern kann.

Die Pfiffe am Mittwochabend waren mehr als nur Ausrufe der Frustration. Sie waren ein Weckruf. Für den BVB, für Schlotterbeck und für die gesamte Bundesliga. Denn im Profifußball ist der Weg zum Titel oft mit schmerzhaften Entscheidungen und gebrochenen Versprechen gepflastert. Und die Fans, die unerschütterliche Säule jedes Vereins, werden sich das nicht lange gefallen lassen.