Schlaf-apps: segen oder fluch für unruhige nächte?
Fast die Hälfte der Erwachsenen nutzt mittlerweile Apps, um ihren Schlaf zu überwachen – ein Trend, der vor allem junge Frauen betrifft. Doch während viele Nutzer positive Erfahrungen melden und etwas über ihren Schlaf lernen, warnen Forscher vor einem unerwünschten Nebeneffekt: Die ständige Kontrolle kann bei Menschen mit Schlafstörungen die Angst und den Stress verstärken.
Die datenlast als neuer feind des schlafes
Es ist verständlich, dass wir uns an die Versprechen dieser Apps klammern, die uns detaillierte Auskünfte über unsere Schlafphasen, Einschlafzeiten und die Qualität unseres Schlafs geben. Für Gesunde kann dieses Feedback beruhigend sein. Doch für diejenigen, die unter Schlafproblemen leiden, kann es schnell zu einer Spirale aus Besorgnis führen. Experten sprechen von „Orthosomnien“ – der zwanghaften Überwachung des Schlafs, die letztendlich den Schlaf weiter verschlechtert.
Eine aktuelle Studie der Universität Bergen (Norwegen), veröffentlicht in Frontiers in Psychology, zeigt deutlich: Junge Erwachsene profitieren zwar scheinbar von den Informationen, die ihnen die Apps liefern, doch sie berichten auch von mehr Stress und Sorgen. Besonders anfällig für negative Auswirkungen sind Menschen mit bereits bestehender Insonnie. Die Variabilität der Apps und die fehlende wissenschaftliche Fundierung ihrer Messmethoden erschweren die Situation zusätzlich.
Die Wissenschaftler betonen: Nicht jede Metrik, die von diesen Apps gemessen wird, ist gleich gut fundiert. Das ständige Überprüfen der Daten kann dazu führen, dass wir uns noch mehr Sorgen um unseren Schlaf machen, anstatt ihn zu verbessern. Ein Teufelskreis, aus dem es schwer herauszukommen scheint.
Håkon Lundekvam Berge, einer der Hauptautoren der Studie, erklärt: „Wir beobachten, dass junge Menschen besonders anfällig für die Informationen sind, die sie von diesen Apps erhalten. Sie berichten zwar von positiven Effekten, aber auch von gesteigertem Stress.“

Weniger technik, mehr körpergefühl
Was also tun? Die einfache Antwort: Weniger Technik, mehr Körpergefühl. Die Studie empfiehlt, sich genau zu überlegen, welche Daten die eigene Schlaf-App tatsächlich misst und nicht jeden Wert als unumstößliche Wahrheit zu betrachten. Wer unter Schlafängsten leidet, sollte die Benachrichtigungen deaktivieren und die Apps nur als Hilfsmittel zur Gewohnheitsbildung nutzen – beispielsweise, um die Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen zu reduzieren.
Doch der Schlüssel liegt darin, auf den eigenen Körper zu hören. Müde sein, bevor man ins Bett geht, anstatt stundenlang wach zu liegen und auf den Schlaf zu warten. Denn das Bett sollte in erster Linie mit Schlaf assoziiert werden. Wer wach im Bett liegt, verschlimmert nur das Problem.
Fazit: Die ständige Überwachung des Schlafs mit Apps mag zwar verlockend sein, kann aber bei manchen Menschen kontraproduktiv wirken. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte lieber auf seinen Körper hören und sich auf gesunde Schlafgewohnheiten konzentrieren – anstatt sich von den Daten der Apps beherrschen zu lassen. Denn ein entspannter Geist schläft besser als ein besorgter.
