Schenderlein will spitzensport-gesetz durchdrücken – athleten kriegen nichts
Die Bundesregierung hat die Handbremse gelöst. Noch diese Woche will Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) ihren 69-Seiten-Schlachtplan ins Kabinett bringen, dann soll das neue Sportfördergesetz in den Bundestag. Die athleten? Angeblich dabei. Tatsächlich draußen.
Die Rechnung ist simpel: 350 Millionen Euro jährlich fließen künftig über eine neue „Spitzensportagentur“. Im Stiftungsrat sitzen neun Menschen. Sechs kommen von der Politik, drei vom Sport – kein einziger unabhängiger Athlet. Wer die Kohle verteilt, entscheidet also der Staat. Der DOSB findet das schon „optimiert“. athleten Deutschland findet es „zynisch“.
Der dosb jubelt – und verliert das letzte stück glaubwürdig
Der Deutsche Olympische Sportbund hatte im Oktober noch gefordert, die Politik dürfe nicht länger allein den Steuerzahler-Scheck unterschreiben. Jetzt, wo das Verhältnis im Rat von 4:1 auf 6:3 korrigiert ist, schweigt die Kritik. Stattdessen spricht ein Sprecher von „Annäherung an Augenhöhe“. Gemeint ist: mehr Einfluss für den Verband, weniger für die Aktiven.
Für Pia Greiten, die neue Präsidentin von athleten Deutschland, ist das Verrat. Die Ruder-Olympiasiegerin sagt: „Eine unabhängige Athletenvertretung ist im deutschen Sportsystem weiterhin nicht gewollt.“ Ihr Verein droht mit Rückzug aus dem Reformprozess. Es wäre nicht der erste Ausstieg – nur der lauteste.

Safe sport bleibt ein wunschdenkmal
Schutz vor Missbrauch, psychischem Druck, Machtmissbrauch – all das sollte ins Gesetz. Steht aber nicht drin. Stattdessen wird das Gremium, das über Fördergelder entscheidet, zum reinen Verwaltungsakt degradiert. Athletinnen und athleten dürfen mitreden, aber nicht mitbestimmen. Das nennt Schenderlein „individuellere Förderung“. Die Betroffenen nennen es „Alibi“.
Die Ironie: Gerade jetzt, wo Deutschland sich für Olympia 2036 bewerben will, soll der Sport glaubwürdig wirken. Was die Ministerin als „Reform“ verkauft, ist ein Kraftakt der Selbstbedienung. DOSB und Politik rücken zusammen – und schieben die Verantwortung fürs Scheitern demnächst den Fraktionen zu, die im Parlament noch Änderungsanträge stellen könnten.
Die Athleten jedenfalls haben schon mal die Hände aus der Schusslinie gezogen. Wer nicht am Tisch sitzt, wird irgendwann zur Speise – das haben sie inzwischen kapiert.
