Sawe stürzt marathon-weltrekord um 65 sekunden – doping-experte gibt freifahrt!
London bebte am Sonntag, als Sebastian Sawe mit einer unglaublichen Zeit von 1:59:30 Stunden die Marathonwelt auf den Kopf stellte. Der kenianische Läufer pulverisierte nicht nur den alten Weltrekord, sondern löste auch eine hitzige Debatte aus: Ist dieser Rekord wirklich sauber? Ein führender Doping-Experte gibt Entwarnung – und liefert eine überraschende Erklärung.
Die rekordjagd und die ersten zweifel
Die Zeit von Sebastian Sawe in London ist schlichtweg atemberaubend. 65 Sekunden riss er Kelvin Kiptums bisherigen Fabel aus dem Jahr 2023 vom Thron. Sofort kursierten jedoch Zweifel, ob eine solche Leistungssteigerung ohne fragwürdige Methoden zustande gekommen sein könnte. Die Frage nach Doping ist bei solch spektakulären Erfolgen im Hochleistungssport immer wieder präsent.

Sörgel: „keine zweifel angebracht“
Fritz Sörgel, ein renommierter Doping-Experte, widersprach jedoch den ersten Zweifeln. „Wenn ich diese Zeit sehe, stehe ich sprachlos davor. Aber ich sage ganz klar: Im jetzigen Stadium sind keine Zweifel angebracht, weil ich mir diese Leistung erklären kann“, erklärte Sörgel im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Er weist auf die jahrelange Forschung in Trainingsmethoden, die enorme Verbesserung der Lauftechnik und die wachsende Bedeutung der Ernährung hin.
Trainer Claudio Berardelli führte die Leistung seines Schützlings auf ein extrem hohes Trainingspensum, die Verwendung von ultraleichten „Superschuh“ Adidas Pro Evo 3 und die gezielte Kohlenhydratzufuhr zurück. Die Erwähnung von Honigbroten zum Frühstück sorgte dabei für belustigte Kommentare, wurde aber von Sörgel als Nebensache abgetan.

Usain bolt als vorbild und die physiologie
„Die ganze Abstimmung hat sehr gut funktioniert bei ihm im Körper“, so Sörgel. Er nennt als „bestes Beispiel“ den 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt. „Bis heute wurde bei ihm nichts gefunden. Auch in Nachproben, die heutzutage möglich sind, nicht.“ Dabei erinnert Sörgel auch an Abebe Bikila, der 1960 in Rom barfuß einen Marathon lief und damit einen neuen Weltrekord aufstellte. „Er lief barfuß durch die Straßen von Rom. Jetzt, über 65 Jahre später, wurde die Zeit um eine gute Viertelstunde verbessert. Das halte ich für realistisch“, sagt der Nürnberger Pharmakologe.

Die dunkle seite der medaille: dopingkontrollen und die afrikanische herkunft
Doch Sörgel mahnt zur Vorsicht: „Wir haben so viele Sportler bewundert und an sie geglaubt – und sind dann enttäuscht worden.“ Er räumt ein, dass Epo eine mögliche Substanz ist, mit der solche Rekorde erzielt werden könnten. „Dopingkontrollen in Ostafrika – ich will es vorsichtig sagen – sind nicht auf dem Niveau, wie wir sie kennen.“ Gleichzeitig betont er, dass die Kontrollen bei Läufen in westlichen Ländern wie Berlin oder London sehr streng sind, und Sebastian Sawe wurde noch nie positiv getestet. Die Diskrepanz zwischen den Kontrollstandards in verschiedenen Regionen der Welt bleibt jedoch ein Ärgernis.
Die Frage nach der genetischen Veranlagung und der Physiologie der Läufer aus Ostafrika bleibt ebenfalls ein Thema. Sörgel verweist auf den „perfekten Sehnen- und Muskelapparat“ und die besonderen anatomischen Gegebenheiten, die zu diesen außergewöhnlichen Leistungen beitragen könnten. Ob dies jedoch eine Rechtfertigung für mögliche Dopingverstöße darstellt, ist eine andere Frage.
